Wenn es anders kommt, fällt dir trotzdem etwas ein
Anpassungsfähigkeit (Adaptability), Domäne Beziehungsaufbau (Relationship Building)
Montagmorgen, kurz nach neun. Du hast gerade deinen Computer eingeschaltet, als dein Telefon klingelt. Ein wichtiger Kunde möchte seinen Termin vorziehen. Eine Kollegin ist krank geworden und für den Nachmittag steht plötzlich eine dringende Besprechung im Kalender. Dein ursprünglich geplanter Arbeitstag? Den kannst du erst einmal vergessen. Während dein Kollege nebenan etwas verzweifelt auf seinen Kalender schaut und murmelt: „Das war jetzt aber wirklich anders geplant“, überlegst du bereits, wie sich die neuen Aufgaben am besten unterbringen lassen. Vielleicht sagst du sogar: „Okay, dann machen wir es eben anders.“ Und meinst das ganz entspannt.
Wenn Anpassungsfähigkeit (Adaptability) zu deinen stärksten Gallup-Talenten gehört, erkennst du dich darin vielleicht wieder. Menschen mit diesem Talent können häufig besonders gut auf das reagieren, was gerade passiert.
Sie leben stark im Hier und Jetzt und haben oft weniger Schwierigkeiten damit, wenn sich Pläne kurzfristig verändern. Das bedeutet nicht, dass sie grundsätzlich keine Pläne machen.
Aber sie betrachten einen Plan möglicherweise eher als Orientierung und weniger als etwas, das unbedingt genauso umgesetzt werden muss. Denn schließlich kann morgen schon wieder alles anders aussehen. Und manchmal entstehen gerade daraus die interessantesten Möglichkeiten.
Das zeichnet dich aus
Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die nicht unbedingt jeden Tag bis ins kleinste Detail planen möchten. Du weißt ungefähr, was ansteht. Aber du möchtest dir genügend Spielraum lassen, um auf neue Situationen reagieren zu können.
Wenn sich etwas verändert, gerätst du nicht automatisch aus der Ruhe. Vielleicht findest du es sogar spannend, spontan eine neue Lösung zu entwickeln.
Andere Menschen brauchen möglicherweise etwas Zeit, um sich auf Veränderungen einzustellen. Du dagegen kannst häufig ziemlich schnell umschalten.
Stell dir vor, du hast für das Wochenende einen Ausflug geplant. Am Samstagmorgen regnet es in Strömen. Deine Freundin ist enttäuscht. „Jetzt fällt unser schöner Ausflug ins Wasser.“ Du schaust aus dem Fenster und sagst: „Dann machen wir eben etwas anderes. Wie wäre es mit einem Museum und anschließend einem gemütlichen Essen?“
Für dich ist das kein großes Problem. Du hast dich auf einen schönen Tag gefreut. Und den kannst du schließlich auch anders gestalten. Menschen mit Anpassungsfähigkeit können häufig besonders gut mit dem arbeiten, was gerade möglich ist.
Sie müssen nicht unbedingt alles im Voraus wissen. Und sie können Veränderungen als normalen Bestandteil des Lebens betrachten.
Die Superkraft
Du kannst dich auf neue Situationen einstellen und auch dann handlungsfähig bleiben, wenn sich die Umstände plötzlich verändern. Stell dir vor, ein Unternehmen organisiert eine große Kundenveranstaltung. Alles ist vorbereitet. Die Referenten sind gebucht, die Technik funktioniert und die Gäste treffen langsam ein. Doch kurz vor Beginn meldet sich der wichtigste Redner krank. Die Veranstaltungsleiterin ist entsetzt. Der Zeitplan steht fest.
Die Präsentationen sind aufeinander abgestimmt. Und jetzt fehlt plötzlich der Hauptredner.
Ein Kollege mit ausgeprägter Anpassungsfähigkeit reagiert erstaunlich ruhig. „Okay. Was können wir jetzt machen?“ Er überlegt, welche Programmpunkte sich verschieben lassen. Vielleicht könnte eine andere Referentin früher beginnen. Vielleicht lässt sich eine geplante Diskussionsrunde verlängern. Oder ein interaktiver Programmpunkt könnte die entstandene Lücke sinnvoll füllen.
Innerhalb kurzer Zeit entwickelt das Team einen neuen Ablauf. Die Veranstaltung wird ein Erfolg. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn alles wie geplant funktioniert hätte. Aber genau darin liegt die besondere Stärke der Anpassungsfähigkeit.
Menschen mit diesem Talent können häufig gut mit unerwarteten Situationen umgehen. Sie akzeptieren, dass sich nicht alles kontrollieren lässt. Und konzentrieren sich darauf, was jetzt möglich ist.
Typische Stärken
Menschen mit ausgeprägter Anpassungsfähigkeit können häufig besonders gut:
- Auf unerwartete Veränderungen reagieren
- Auch in unvorhersehbaren Situationen handlungsfähig bleiben
- Neue Möglichkeiten spontan erkennen
- Sich auf unterschiedliche Menschen und Situationen einstellen
- Pläne flexibel anpassen; Im Hier und Jetzt präsent sein
- Andere bei kurzfristigen Veränderungen unterstützen
- Mit wechselnden Anforderungen umgehen
- Auch unter veränderten Bedingungen pragmatische Lösungen finden
Besonders wertvoll kann dieses Talent in Arbeitsumgebungen sein, in denen sich Anforderungen häufig verändern. Zum Beispiel im Kundenservice, in der Veranstaltungsorganisation, im Gesundheitswesen oder in Projekten mit vielen unterschiedlichen Beteiligten. Aber auch in der Führung kann Anpassungsfähigkeit eine große Stärke sein. Denn selbst der beste Plan schützt uns nicht davor, dass das Leben manchmal andere Ideen hat.
Mögliche Schattenseiten
Stell dir vor, du arbeitest an einem langfristigen Projekt. Eigentlich soll in drei Monaten ein neues Konzept fertig sein. Du hast bereits einige gute Ideen entwickelt. Doch dann kommt eine dringende Anfrage. Natürlich kümmerst du dich darum. Am nächsten Tag braucht eine Kollegin Unterstützung. Auch das übernimmst du. Und am Freitag ergibt sich spontan die Gelegenheit, an einem interessanten Workshop teilzunehmen. Warum nicht?
Du findest es spannend, auf neue Möglichkeiten zu reagieren. Doch irgendwann stellst du fest, dass dein ursprüngliches Projekt kaum vorangekommen ist.
Vielleicht kennst du solche Situationen. Menschen mit ausgeprägter Anpassungsfähigkeit können manchmal Schwierigkeiten damit haben, langfristige Ziele konsequent im Blick zu behalten. Denn das, was gerade passiert, bekommt häufig besonders viel Aufmerksamkeit.
Lässt du dich leicht von neuen Aufgaben oder interessanten Möglichkeiten mitnehmen? Oder verschiebst du wichtige Vorhaben immer wieder, weil andere Dinge gerade dringender erscheinen.
Die mögliche Schattenseite liegt deshalb darin, zu stark auf das Hier und Jetzt zu reagieren und langfristige Prioritäten aus dem Blick zu verlieren. Dabei geht es nicht darum, deine Flexibilität aufzugeben, sondern darum, sie mit einer gewissen Orientierung zu verbinden.
Vielleicht hilft es dir, wenige wichtige Ziele festzulegen und regelmäßig zu überprüfen, ob du ihnen noch näherkommst. Denn Anpassungsfähigkeit ist besonders wertvoll, wenn du flexibel auf Veränderungen reagieren kannst, ohne deine wichtigsten Vorhaben dauerhaft aus den Augen zu verlieren.
Führung mit diesem Talent
Als Führungskraft mit Anpassungsfähigkeit kannst du deinem Team besonders in unvorhersehbaren Situationen Sicherheit geben. Du reagierst möglicherweise gelassen, wenn sich Pläne kurzfristig verändern. Du kannst neue Informationen schnell aufnehmen und dein Vorgehen entsprechend anpassen. Das ist gerade in dynamischen Arbeitsumgebungen eine große Stärke.
Vielleicht kennst du Führungskräfte, die bei jeder unerwarteten Veränderung zunächst erklären, warum das eigentlich nicht passieren dürfte. Du dagegen beschäftigst dich möglicherweise schneller mit der Frage, wie es jetzt weitergehen kann. Das kann auf deine Mitarbeitenden beruhigend wirken.
Denn wenn die Führungskraft ruhig bleibt, fällt es häufig auch dem Team leichter, konstruktiv zu handeln. Allerdings solltest du berücksichtigen, dass nicht alle Mitarbeitenden genauso flexibel auf Veränderungen reagieren wie du. Vielleicht hast du eine Kollegin mit ausgeprägter Disziplin (Discipline), die sich auf den vereinbarten Ablauf vorbereitet hat. Oder einen Mitarbeiter mit Fokus (Focus), der seine Aufgaben konsequent an einem bestimmten Ziel ausrichtet. Für diese Menschen können kurzfristige Änderungen zunächst eine Herausforderung sein.
Deshalb lohnt es sich, Veränderungen möglichst klar zu kommunizieren. Was hat sich verändert? Warum ist die Anpassung notwendig? Und welche bisherigen Vereinbarungen gelten weiterhin? Du musst nicht jede Veränderung ausführlich rechtfertigen. Aber du kannst deinem Team helfen, sich auf neue Situationen einzustellen.
Mitarbeitende mit diesem Talent führen
Wenn du einen Mitarbeiter mit ausgeprägter Anpassungsfähigkeit hast, kannst du besonders in Situationen von ihm profitieren, in denen kurzfristig neue Lösungen gefragt sind.
Vielleicht reagiert er gelassen, wenn ein Kunde seine Anforderungen verändert.
Oder er kann spontan einspringen, wenn sich ein Termin verschiebt. Das kann für dein Team unglaublich wertvoll sein.
Wichtig ist allerdings, dass du seine Flexibilität nicht als selbstverständlich betrachtest. Denn nur weil jemand gut mit Veränderungen umgehen kann, bedeutet das nicht, dass er ständig alle kurzfristigen Aufgaben übernehmen sollte.
Vielleicht ist dein Mitarbeiter immer derjenige, den du anrufst, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Schließlich reagiert er so unkompliziert.
Aber auch Menschen mit Anpassungsfähigkeit brauchen ausreichend Zeit für ihre eigenen Aufgaben. Deshalb solltest du darauf achten, dass ihre Flexibilität nicht zu einer dauerhaften zusätzlichen Belastung führt. Außerdem kann es hilfreich sein, gemeinsam langfristige Ziele zu vereinbaren. Nicht unbedingt mit einem starren Tagesplan. Sondern mit klaren Ergebnissen und regelmäßigen kurzen Abstimmungen. So bekommt dein Mitarbeiter genügend Spielraum, um flexibel zu arbeiten, und behält gleichzeitig wichtige Vorhaben im Blick.
Zusammenarbeit im Team
Stell dir vor, ein Team arbeitet an einem neuen Produkt. Die Aufgaben sind verteilt. Der Zeitplan steht. Und alle wissen, was zu tun ist. Dann meldet sich ein wichtiger Kunde mit einer zusätzlichen Anforderung. Die neue Funktion könnte das Produkt deutlich verbessern. Allerdings würde sie auch Änderungen am bisherigen Ablauf notwendig machen.
Eine Mitarbeiterin mit Disziplin (Discipline) möchte zunächst verstehen, wie sich die neue Anforderung in die bestehende Planung integrieren lässt. Ein Kollege mit Fokus (Focus) fragt, ob die Änderung wirklich notwendig ist, um das vereinbarte Ziel zu erreichen.
Und jemand mit Anpassungsfähigkeit sagt: „Das bekommen wir schon hin. Wir müssen nur schauen, wie wir es am besten machen.“ Alle drei Perspektiven können wertvoll sein. Die eine sorgt für Struktur. Die andere behält das Ziel im Blick. Und die dritte hilft dem Team, offen für neue Möglichkeiten zu bleiben.
Gerade darin liegt eine große Stärke unterschiedlicher Gallup-Talente. Sie ergänzen sich. Nicht weil alle gleich denken. Sondern weil sie unterschiedliche Aspekte einer Situation wahrnehmen. Menschen mit Anpassungsfähigkeit können dazu beitragen, dass Teams auch bei Veränderungen handlungsfähig bleiben.
Wichtig ist allerdings, dass sie die Bedürfnisse anderer nach Planung und Orientierung respektieren. Denn nicht jeder erlebt spontane Veränderungen als angenehm.
Kommunikation
Menschen mit Anpassungsfähigkeit kommunizieren häufig spontan und situationsbezogen.
Dir fällt es vermutlich leicht, dich auf unterschiedliche Gesprächspartner einzustellen. Du reagierst auf das, was dein Gegenüber gerade sagt, und kannst deine Gedanken flexibel anpassen.
Wenn du dich auf ein Gespräch vorbereitest, möchtest du aber nicht unbedingt jede Formulierung im Voraus festlegen. Du hörst lieber zu und entscheidest im Moment, was sinnvoll ist. Das kann besonders in persönlichen Gesprächen eine große Stärke sein. Denn manchmal entwickelt sich ein Gespräch ganz anders als erwartet. Und dann ist es hilfreich, wenn du nicht krampfhaft an deinem ursprünglichen Gesprächsleitfaden festhältst.
Allerdings solltest du berücksichtigen, dass andere Menschen möglicherweise mehr Struktur benötigen. Vielleicht möchte eine Kollegin vor einer Besprechung wissen, welche Themen behandelt werden.
Oder ein Mitarbeiter braucht nach einer kurzfristigen Änderung etwas Zeit, um sich neu zu organisieren. Was für dich selbstverständlich erscheint, kann für andere eine Herausforderung sein.
Deshalb lohnt es sich, gelegentlich zu fragen: „Was brauchst du, damit du dich auf die neue Situation gut einstellen kannst?“ Denn gute Kommunikation bedeutet nicht nur, selbst flexibel zu reagieren. Sondern auch zu erkennen, wie viel Orientierung andere Menschen benötigen.
Typische Missverständnisse
„Du bist unorganisiert.“
Menschen mit Anpassungsfähigkeit arbeiten häufig gerne flexibel. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie ihre Aufgaben schlecht organisieren. Vielleicht bevorzugen sie einfach eine Planung, die genügend Raum für Veränderungen lässt.
„Du hast keine klaren Ziele.“
Anpassungsfähigkeit bedeutet nicht, dass jemand keine langfristigen Ziele verfolgt. Vielleicht ist die Person lediglich offener dafür, den Weg dorthin unterwegs anzupassen.
„Du lässt dich von allem ablenken.“
Menschen mit Anpassungsfähigkeit reagieren häufig schnell auf neue Situationen. Das kann von außen wie Ablenkbarkeit wirken. Dabei kann es sich auch um eine wertvolle Fähigkeit handeln, aktuelle Anforderungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren.
„Dir ist alles egal.“
Wenn jemand gelassen auf Veränderungen reagiert, kann das manchmal so wirken, als wäre ihm der ursprüngliche Plan nicht besonders wichtig gewesen. Dabei bedeutet Gelassenheit nicht Gleichgültigkeit. Vielleicht hat die Person einfach gelernt, mit dem zu arbeiten, was gerade möglich ist.
Stressauslöser
Menschen mit ausgeprägter Anpassungsfähigkeit können besonders unter Druck geraten, wenn sie das Gefühl haben, dass kein Raum für spontane Veränderungen bleibt.
Mögliche Stressauslöser sind:
- Sehr starre Abläufe ohne Gestaltungsspielraum
- Detaillierte langfristige Pläne, die kaum angepasst werden dürfen
- Ein Arbeitsumfeld, in dem jede Veränderung als Problem betrachtet wird
- Wenig Möglichkeiten, auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren
- Übermäßig strenge Vorgaben für das tägliche Vorgehen
- Situationen, in denen spontane Ideen grundsätzlich abgelehnt werden
- Das Gefühl, ständig an einem ursprünglichen Plan festhalten zu müssen
- Fehlende Möglichkeiten, flexibel auf Menschen und Situationen einzugehen
Allerdings kann auch das Gegenteil belastend werden. Wenn ständig neue Aufgaben auftauchen und keine Prioritäten mehr erkennbar sind, können selbst sehr anpassungsfähige Menschen den Überblick verlieren. Denn Flexibilität bedeutet nicht, dass unbegrenzt viele Veränderungen gleichzeitig bewältigt werden können. Auch Menschen mit Anpassungsfähigkeit brauchen klare Erwartungen und realistische Rahmenbedingungen.
So führst du jemanden mit diesem Talent
Wenn du jemanden mit Anpassungsfähigkeit führst, solltest du ihm genügend Spielraum geben, um flexibel auf neue Situationen reagieren zu können.
Vereinbare klare Ergebnisse, ohne jeden einzelnen Arbeitsschritt vorzuschreiben. Vielleicht kannst du Aufgaben übertragen, bei denen kurzfristige Veränderungen zum Alltag gehören. Oder Projekte, in denen es wichtig ist, auf neue Informationen und unterschiedliche Menschen einzugehen.
Gleichzeitig solltest du darauf achten, dass dein Mitarbeiter seine langfristigen Ziele nicht aus dem Blick verliert. Regelmäßige kurze Abstimmungen können dabei hilfreich sein. Nicht als Kontrolle. Sondern als gemeinsame Orientierung. Besprecht, welche Aufgaben aktuell besonders wichtig sind und welche neuen Anforderungen möglicherweise berücksichtigt werden müssen.
Und wenn sich Prioritäten verändern, kommuniziere das klar. Denn auch Menschen mit Anpassungsfähigkeit profitieren davon, wenn sie wissen, worauf es ankommt.
Reflexionsübung
Übung: Wie flexibel bist du wirklich?
Denke an eine Situation aus den vergangenen Wochen, in der etwas ganz anders gelaufen ist als geplant. Vielleicht wurde ein Termin kurzfristig verschoben. Ein Projekt musste verändert werden. Oder du wurdest mit einer unerwarteten Aufgabe konfrontiert.
Überlege anschließend:
1. Wie hast du auf die Veränderung reagiert?
Warst du entspannt, neugierig oder zunächst verärgert?
2. Was hat dir geholfen, dich auf die neue Situation einzustellen?
Vielleicht deine Erfahrung, deine Spontaneität oder die Unterstützung anderer Menschen
3. Welche Möglichkeiten sind durch die Veränderung entstanden?
Gab es etwas Positives, das du ursprünglich gar nicht erwartet hattest?
4. Was ist durch die Veränderung möglicherweise liegen geblieben?
Gab es wichtige Aufgaben, die du aus den Augen verloren hast?
5. Was möchtest du beim nächsten Mal bewusster machen?
Vielleicht möchtest du deine Flexibilität beibehalten und gleichzeitig stärker auf deine Prioritäten achten.
Die Idee hinter dieser Übung ist nicht, möglichst spontan zu werden. Sondern besser zu verstehen, wie du mit Veränderungen umgehst und welche Rolle Anpassungsfähigkeit dabei spielt.
Praxisbeispiel
Stell dir vor, eine erfahrene Teamleiterin arbeitet in einem Unternehmen, das Kundenveranstaltungen organisiert. Ihr Team bereitet eine große Veranstaltung für einen wichtigen Kunden vor. Der Ablauf steht fest. Die Dienstleister sind gebucht und alle Aufgaben verteilt. Doch am Veranstaltungstag kommt plötzlich eine Nachricht. Der gebuchte Veranstaltungsraum kann wegen eines technischen Problems nicht genutzt werden. Die Mitarbeitenden sind nervös. Einige überlegen, ob die Veranstaltung abgesagt werden muss.
Die Teamleiterin mit ausgeprägter Anpassungsfähigkeit bleibt ruhig. Sie prüft, welche alternativen Räume verfügbar sind. Gemeinsam mit ihrem Team organisiert sie die notwendigen Änderungen. Die Technik wird umgebaut. Die Gäste werden informiert. Und das Programm wird leicht angepasst.
Die Veranstaltung beginnt mit einer kleinen Verzögerung, verläuft anschließend aber erfolgreich. Die Teamleiterin hat ihre Stärke genutzt, um auf eine unerwartete Situation zu reagieren. Dabei war sie nicht allein erfolgreich.
Sie konnte auf die unterschiedlichen Fähigkeiten ihres Teams zurückgreifen. Eine Kollegin kümmerte sich um die Organisation. Ein Mitarbeiter übernahm die Kommunikation mit den Gästen. Und jemand anderes sorgte dafür, dass die technischen Anforderungen erfüllt wurden.
Genau darin zeigt sich, wie wertvoll Anpassungsfähigkeit in der Führung sein kann. Nicht unbedingt darin, selbst für alles eine spontane Lösung zu finden. Sondern darin, auch bei Veränderungen handlungsfähig zu bleiben und gemeinsam mit anderen neue Möglichkeiten zu entwickeln.
Woran erkennst du dieses Talent in den ersten fünf Minuten eines Gesprächs?
Vielleicht fällt dir auf, dass dein Gegenüber besonders gelassen über unerwartete Veränderungen spricht. Oder jemand erzählt begeistert davon, wie er spontan auf eine neue Situation reagiert hat.
Typische Aussagen könnten sein:
- „Das ergibt sich dann schon.“
- „Wir schauen einfach, was möglich ist.“
- „Ich mag es, wenn nicht jeder Tag gleich ist.“
- „Dann machen wir es eben anders.“
- „Ich entscheide gerne, wenn ich weiß, was gerade gebraucht wird.“
Vielleicht bemerkst du auch, dass die Person sehr aufmerksam auf das reagiert, was im Gespräch gerade passiert. Sie greift neue Themen auf und passt ihre Antworten flexibel an.
Aber Vorsicht. Nicht jeder spontane oder gelassene Mensch hat automatisch Anpassungsfähigkeit unter seinen stärksten Gallup-Talenten. Vielleicht hat die Person aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung gelernt, mit Veränderungen umzugehen. Oder sie befindet sich gerade in einer Situation, in der Flexibilität besonders gefragt ist.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuhören. Besonders interessant ist häufig, ob jemand tatsächlich Freude daran hat, im Hier und Jetzt zu reagieren, und wie er mit langfristigen Plänen umgeht. Solche Beobachtungen können Hinweise geben, ersetzen aber keine fundierte Talentanalyse.
Achtung, Verwechslungsgefahr!
Anpassungsfähigkeit (Adaptability) oder Arrangeur (Arranger)
Beide Talente können sich darin zeigen, dass Menschen flexibel auf Veränderungen reagieren. Aber die dahinterliegenden Beweggründe können unterschiedlich sein.
Menschen mit Anpassungsfähigkeit leben häufig stark im Hier und Jetzt. Sie reagieren auf das, was gerade passiert, und können sich gut auf neue Situationen einstellen.
Menschen mit Arrangeur haben dagegen häufig Freude daran, unterschiedliche Menschen, Aufgaben und Ressourcen flexibel miteinander zu kombinieren. Sie möchten die vorhandenen Möglichkeiten möglichst sinnvoll organisieren.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen muss kurzfristig ein wichtiges Projekt umplanen. Die Mitarbeiterin mit Anpassungsfähigkeit sagt: „Okay, dann schauen wir, was jetzt möglich ist.“ Der Kollege mit Arrangeur überlegt: „Wenn wir diese Aufgaben neu verteilen und die Termine etwas verändern, bekommen wir das gut organisiert.“ Beide können sehr flexibel sein. Aber möglicherweise aus unterschiedlichen Gründen. Merksatz: Anpassungsfähigkeit reagiert flexibel auf das, was gerade passiert. Arrangeur kombiniert flexibel die vorhandenen Möglichkeiten.
Natürlich können beide Talente auch bei derselben Person stark ausgeprägt sein. Dann kann die Freude an spontanen Veränderungen mit einer besonderen Fähigkeit zur flexiblen Organisation zusammenkommen.
Besonders wirkungsvoll im Zusammenspiel mit ...
Wie bei allen Gallup-Talenten wird es besonders spannend, wenn wir betrachten, wie Anpassungsfähigkeit mit anderen Talenten zusammenspielt.
- Anpassungsfähigkeit + Einfühlungsvermögen (Empathy): Du kannst flexibel auf Situationen reagieren und gleichzeitig wahrnehmen, wie es anderen Menschen gerade geht. Diese Kombination kann besonders in persönlichen Gesprächen und in der Führung wertvoll sein.
- Anpassungsfähigkeit + Vorstellungskraft (Ideation): Du bist offen für unerwartete Entwicklungen und kannst spontan neue Ideen und Möglichkeiten entdecken.
- Anpassungsfähigkeit + Arrangeur (Arranger): Du reagierst flexibel auf Veränderungen und kannst unterschiedliche Aufgaben, Menschen und Ressourcen immer wieder neu miteinander verbinden.
- Anpassungsfähigkeit + Positive Einstellung (Positivity): Du kannst dich auf neue Situationen einstellen und dabei möglicherweise Zuversicht und Begeisterung vermitteln.
- Anpassungsfähigkeit + Verbundenheit (Relator): Du kannst flexibel auf aktuelle Situationen reagieren und gleichzeitig besonders viel Wert auf vertrauensvolle persönliche Beziehungen legen.
Natürlich sind diese Beispiele keine festen Persönlichkeitstypen. Wie sich die Kombinationen tatsächlich zeigen, hängt immer vom gesamten Talentprofil, den Erfahrungen und der jeweiligen Situation ab.
Leadership-Merksatz
„Deine Superkraft liegt darin, auch dann Möglichkeiten zu erkennen, wenn sich alles verändert. Gute Führung bedeutet, flexibel auf das Hier und Jetzt zu reagieren und deinem Team gleichzeitig genügend Orientierung für die Zukunft zu geben.“