Bei dir gelten die Regeln auch für den Chef
Gleichbehandlung (Consistency), Domäne: Durchführung (Executing)
Stell dir vor, in deinem Unternehmen gibt es eine klare Regelung: Wer im Homeoffice arbeiten möchte, muss das vorher mit seiner Führungskraft abstimmen. Eigentlich ganz einfach. Bis du eines Tages mitbekommst, dass ein Kollege spontan von zu Hause arbeiten darf, während eine andere Kollegin ihren Wunsch ausführlich begründen muss.
Du wunderst dich. Vielleicht gibt es einen guten Grund für die unterschiedliche Behandlung. Aber du möchtest ihn verstehen. Also fragst du nach. „Warum gelten hier eigentlich unterschiedliche Regeln?“ Dein Chef schaut dich etwas überrascht an. „Das ist doch jetzt nicht so wichtig.“ Für dich schon. Denn wenn Regeln gelten, sollten sie nachvollziehbar sein. Und wenn Ausnahmen gemacht werden, möchtest du verstehen, warum.
Vielleicht gehört Gleichbehandlung (Consistency) zu deinen stärksten Gallup-Talenten. Menschen mit diesem Talent haben häufig ein besonderes Gespür für Fairness, klare Regeln und nachvollziehbare Entscheidungen. Sie möchten, dass Menschen unter vergleichbaren Bedingungen auch vergleichbar behandelt werden. Dabei geht es ihnen nicht unbedingt darum, dass alle immer exakt dasselbe bekommen. Sondern darum, dass Entscheidungen auf fairen und transparenten Grundlagen beruhen. Und gerade in der Zusammenarbeit kann das unglaublich wertvoll sein.
Das zeichnet dich aus
Vielleicht fällt dir schnell auf, wenn Regeln unterschiedlich angewendet werden.
Du bemerkst, wenn bestimmte Menschen Vorteile bekommen, ohne dass die Gründe dafür nachvollziehbar sind. Oder wenn Vereinbarungen plötzlich nicht mehr gelten, sobald eine bestimmte Person betroffen ist.
Vielleicht hast du schon als Kind gefragt, warum dein Bruder etwas durfte, was dir verboten war. Und dich mit der Antwort „Weil ich das sage“ nicht besonders zufriedengegeben.
Auch heute möchtest du häufig verstehen, nach welchen Kriterien Entscheidungen getroffen werden. Du schätzt klare Rahmenbedingungen. Nicht unbedingt, weil du Regeln besonders liebst. Sondern weil sie Menschen Orientierung geben und dafür sorgen können, dass niemand willkürlich bevorzugt oder benachteiligt wird.
Vielleicht setzt du dich auch dann für eine faire Lösung ein, wenn du selbst gar nicht betroffen bist. Eine Kollegin bekommt eine Aufgabe nicht, obwohl sie die gleichen Voraussetzungen erfüllt wie andere? Du fragst nach. Ein Mitarbeiter wird für ein Verhalten kritisiert, das bei anderen problemlos akzeptiert wird? Du bemerkst den Widerspruch. Was für andere vielleicht eine Kleinigkeit ist, berührt bei dir möglicherweise eine grundlegende Frage: Ist das wirklich fair?
Die Superkraft
Du schaffst faire und nachvollziehbare Rahmenbedingungen, auf die sich Menschen verlassen können.
Stell dir vor, du arbeitest in einem Unternehmen, in dem die Vergabe interessanter Projekte bisher ziemlich unterschiedlich abläuft. Manche Mitarbeitende bekommen regelmäßig spannende Aufgaben. Andere werden kaum berücksichtigt. Warum das so ist, kann niemand richtig erklären.
Eine Führungskraft mit ausgeprägter Gleichbehandlung beschäftigt sich deshalb mit der Frage, wie die Projektvergabe transparenter gestaltet werden könnte.
- Welche Fähigkeiten werden benötigt?
- Welche Erfahrungen sind wichtig?
- Und wie können alle interessierten Mitarbeitenden die Möglichkeit bekommen, sich für neue Aufgaben zu melden?
Sie entwickelt nachvollziehbare Kriterien und sorgt dafür, dass Entscheidungen besser erklärt werden. Das bedeutet nicht, dass anschließend jeder jedes Projekt übernehmen kann. Aber die Mitarbeitenden verstehen, nach welchen Maßstäben entschieden wird. Und das kann einen großen Unterschied machen. Denn Menschen akzeptieren Entscheidungen häufig leichter, wenn sie nachvollziehen können, wie sie zustande gekommen sind.
Deine Superkraft liegt darin, Verlässlichkeit und Fairness in die Zusammenarbeit zu bringen. Du hilfst dabei, Rahmenbedingungen zu schaffen, die nicht von persönlichen Vorlieben oder zufälligen Umständen abhängen.
Typische Stärken
Menschen mit ausgeprägter Gleichbehandlung können häufig besonders gut:
- Faire und nachvollziehbare Regeln entwickeln
- Einheitliche Kriterien für Entscheidungen schaffen
- Ungleichbehandlung erkennen und ansprechen
- Transparenz in Abläufe und Zuständigkeiten bringen
- Willkürliche Entscheidungen hinterfragen
- Für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen
- Unterschiedliche Interessen anhand gemeinsamer Maßstäbe beurteilen
- Darauf achten, dass Vereinbarungen für alle Beteiligten gelten
- Vertrauen durch nachvollziehbare Entscheidungen fördern.
Besonders wertvoll kann dieses Talent in Bereichen sein, in denen viele Menschen von gemeinsamen Regeln und Entscheidungen betroffen sind. Zum Beispiel in der Personalführung, bei der Aufgabenverteilung, bei Beförderungen oder in der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen.
Aber auch im Alltag eines kleinen Teams kann Gleichbehandlung viel bewirken. Denn manchmal beginnt Fairness bei ganz einfachen Fragen. Wer übernimmt regelmäßig die unbeliebten Aufgaben? Wer bekommt Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln? Und wessen Ideen werden tatsächlich gehört?
Mögliche Schattenseite
Jetzt wird es interessant. Denn auch ein ausgeprägtes Gespür für Fairness kann manchmal zu Herausforderungen führen.
Stell dir vor, du führst ein Team mit zehn Mitarbeitenden. Eine Mitarbeiterin hat gerade eine schwierige private Situation und bittet darum, ihre Arbeitszeiten vorübergehend anzupassen. Du möchtest ihr gerne entgegenkommen. Gleichzeitig überlegst du, ob du dann nicht allen anderen dieselbe Möglichkeit anbieten müsstest. Schließlich sollen alle fair behandelt werden. Vielleicht beschäftigt dich diese Frage länger, als es notwendig wäre. Denn manchmal bedeutet Fairness gerade nicht, dass alle exakt dasselbe bekommen.
Menschen haben unterschiedliche Lebenssituationen, Fähigkeiten und Bedürfnisse. Und gute Führung muss diese Unterschiede berücksichtigen können.
Die mögliche Schattenseite von Gleichbehandlung liegt darin, dass du vielleicht zu stark auf einheitliche Regeln achtest und individuelle Umstände dabei zu wenig berücksichtigst. Oder dass du Ausnahmen grundsätzlich kritisch siehst, obwohl sie sachlich gut begründet sind.
Deshalb lohnt es sich, zwischen Gleichbehandlung und Gerechtigkeit zu unterscheiden. Eine faire Entscheidung muss nicht für jeden Menschen identisch aussehen. Wichtig ist, dass sie auf nachvollziehbaren Kriterien beruht. Manchmal ist eine begründete Ausnahme gerechter als die strikte Anwendung einer Regel.
Führung mit diesem Talent
Als Führungskraft mit Gleichbehandlung kannst du besonders gut darin sein, ein faires und verlässliches Arbeitsumfeld zu schaffen.
Du möchtest, dass deine Mitarbeitenden wissen, woran sie sind. Vielleicht legst du großen Wert darauf, dass Aufgaben nachvollziehbar verteilt werden. Oder dass alle die gleichen Möglichkeiten haben, sich für Weiterbildungen oder interessante Projekte zu bewerben.
Du achtest darauf, dass Vereinbarungen eingehalten werden und Entscheidungen nicht von persönlichen Sympathien abhängen. Das kann für dein Team sehr wertvoll sein. Denn kaum etwas kann die Zusammenarbeit so stark belasten wie das Gefühl, dass manche Menschen bevorzugt werden.
Allerdings gibt es eine wichtige Herausforderung. Gleichwertig bedeutet nicht gleichartig. Dieser Satz gehört zu meinen wichtigsten Leitsätzen. Und gerade bei Gleichbehandlung finde ich ihn besonders passend. Denn deine Mitarbeitenden sind unterschiedlich. Die eine braucht klare Vorgaben, um gut arbeiten zu können. Der andere möchte möglichst viel Gestaltungsspielraum. Eine Mitarbeiterin entwickelt sich besonders gut, wenn sie regelmäßig Feedback bekommt. Ein anderer braucht vor allem Vertrauen und die Möglichkeit, eigenständig Entscheidungen zu treffen.
Wenn du alle exakt gleich führst, wirst du diesen Unterschieden möglicherweise nicht gerecht. Deshalb kann eine wichtige Führungsaufgabe darin bestehen, faire gemeinsame Rahmenbedingungen zu schaffen und gleichzeitig individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die Regeln sollten nachvollziehbar sein. Aber der Umgang mit Menschen darf persönlich bleiben.
Mitarbeitende mit diesem Talent führen
Wenn du einen Mitarbeiter mit ausgeprägter Gleichbehandlung hast, kannst du davon profitieren, dass er ein gutes Gespür für faire und nachvollziehbare Abläufe mitbringt.
Vielleicht bemerkt er, wenn Aufgaben im Team sehr ungleich verteilt sind. Oder wenn bestimmte Vereinbarungen nicht konsequent eingehalten werden.
Das kann zunächst unbequem sein. Vor allem dann, wenn du selbst die entsprechende Entscheidung getroffen hast. Aber vielleicht lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn möglicherweise macht dein Mitarbeiter dich auf etwas aufmerksam, das du bisher nicht bemerkt hast.
Besonders hilfreich ist es, Entscheidungen transparent zu erklären.
- Welche Kriterien waren ausschlaggebend?
- Warum wurde eine Ausnahme gemacht?
- Und welche Regeln gelten grundsätzlich für alle?
Du musst nicht jede Entscheidung ausführlich rechtfertigen. Aber nachvollziehbare Begründungen können helfen, Vertrauen aufzubauen.
Außerdem kannst du Menschen mit Gleichbehandlung gut in Aufgaben einbeziehen, bei denen faire Kriterien und einheitliche Verfahren entwickelt werden sollen. Vielleicht geht es um die Vergabe von Weiterbildungsplätzen. Oder um einen nachvollziehbaren Prozess zur Aufgabenverteilung.
Wichtig ist, dass du dabei nicht nur ihre Regelorientierung nutzt, sondern auch ihre Perspektive auf Menschen und Zusammenarbeit ernst nimmst.
Zusammenarbeit im Team
Stell dir vor, in einem Team gibt es eine besonders beliebte Aufgabe. Sie bietet viel Sichtbarkeit, interessante Kontakte und gute Entwicklungsmöglichkeiten. Bisher wird diese Aufgabe meistens an dieselben zwei Mitarbeitenden vergeben. Die anderen haben sich längst daran gewöhnt. Bis jemand mit ausgeprägter Gleichbehandlung fragt: „Warum bekommen eigentlich immer dieselben Kollegen diese Möglichkeit?“
Vielleicht gibt es gute Gründe. Diese Kollegen verfügen über besondere Erfahrungen oder es hat sich auch einfach eine Gewohnheit entwickelt, die niemand mehr hinterfragt.
Menschen mit Gleichbehandlung können dazu beitragen, solche Muster sichtbar zu machen. Sie fragen nach nachvollziehbaren Kriterien und möchten sicherstellen, dass alle Beteiligten faire Chancen bekommen. Das kann für ein Team unglaublich wertvoll sein.
Allerdings sollten sie berücksichtigen, dass nicht alle Menschen dieselben Aufgaben übernehmen möchten. Manche wünschen sich besonders viel Verantwortung. Andere interessieren sich stärker für fachliche Aufgaben oder bevorzugen andere Entwicklungsmöglichkeiten. Fairness bedeutet deshalb nicht unbedingt, dass alle dieselben Aufgaben bekommen. Sondern dass Möglichkeiten transparent sind und Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden.
Kommunikation
Menschen mit Gleichbehandlung schätzen häufig klare und sachliche Kommunikation. Sie möchten verstehen, welche Regeln gelten und warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden.
Vielleicht fällt es dir schwer, Aussagen wie diese einfach stehen zu lassen: „Das machen wir hier eben so.“ Oder: „Bei ihr ist das etwas anderes.“ Du möchtest wissen, worin der Unterschied besteht. Und das ist eine berechtigte Frage.
Allerdings kann es hilfreich sein, auf die Formulierung zu achten. Wenn du beispielsweise sagst: „Das ist doch total unfair!“, kann dein Gegenüber schnell das Gefühl bekommen, sich verteidigen zu müssen. Vielleicht erreichst du mehr mit einer offenen Frage: „Kannst du mir erklären, nach welchen Kriterien diese Entscheidung getroffen wurde?“ Oder: „Wie stellen wir sicher, dass alle Mitarbeitenden vergleichbare Möglichkeiten bekommen?“ So kannst du dein Anliegen deutlich machen, ohne sofort einen Vorwurf zu formulieren.
Wenn du mit jemandem kommunizierst, der ausgeprägte Gleichbehandlung mitbringt, lohnt es sich, die Gründe für unterschiedliche Entscheidungen transparent zu machen. Denn manchmal ist nicht die Entscheidung selbst das Problem, sondern dass niemand versteht, warum sie so getroffen wurde.
Typische Missverständnisse
„Du bestehst immer auf Regeln.“
Menschen mit Gleichbehandlung schätzen häufig klare und nachvollziehbare Vereinbarungen. Dabei geht es ihnen nicht zwangsläufig um Regeln an sich. Sondern darum, dass Menschen fair behandelt werden.
„Du kannst keine Ausnahmen akzeptieren.“
Ausnahmen können durchaus sinnvoll sein. Wichtig ist häufig, dass sie sachlich begründet und nachvollziehbar sind.
„Du behandelst alle Menschen gleich, egal was sie brauchen.“
Das muss keineswegs so sein. Menschen mit Gleichbehandlung können individuelle Unterschiede sehr wohl berücksichtigen. Vielleicht möchten sie lediglich sicherstellen, dass unterschiedliche Entscheidungen auf fairen Kriterien beruhen.
„Du bist ständig auf der Suche nach Ungerechtigkeiten.“
Manche Menschen mit Gleichbehandlung bemerken Unstimmigkeiten besonders schnell. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie überall Probleme sehen. Vielleicht möchten sie einfach dazu beitragen, dass die Zusammenarbeit für alle fair gestaltet wird.
Stressauslöser
Menschen mit ausgeprägter Gleichbehandlung können besonders unter Druck geraten, wenn sie den Eindruck haben, dass Entscheidungen willkürlich oder unfair getroffen werden.
Mögliche Stressauslöser sind:
- Bevorzugung einzelner Personen ohne nachvollziehbare Gründe
- Unterschiedliche Regeln für vergleichbare Situationen
- Unklare Kriterien bei Beförderungen oder Aufgabenverteilungen
- Vereinbarungen, die nur von manchen eingehalten werden müssen
- Entscheidungen, die stark von persönlichen Sympathien abhängen
- Fehlende Transparenz
- Ungleiche Chancen ohne sachliche Begründung
- Führungskräfte, die Regeln je nach Situation unterschiedlich anwenden.
Besonders schwierig kann es werden, wenn jemand das Gefühl hat, dass Fairness im Unternehmen zwar häufig angesprochen, im Alltag aber kaum gelebt wird. Denn für Menschen mit Gleichbehandlung sind nachvollziehbare Regeln häufig mehr als eine organisatorische Frage. Sie können Ausdruck von Respekt und gegenseitiger Verlässlichkeit sein.
So führst du jemanden mit diesem Talent
Wenn du jemanden mit Gleichbehandlung führst, solltest du auf transparente und nachvollziehbare Entscheidungen achten.
Erkläre wichtige Kriterien und sorge dafür, dass Vereinbarungen nicht willkürlich angewendet werden. Wenn du eine Ausnahme machst, kann es hilfreich sein, die grundsätzlichen Überlegungen dahinter zu erläutern, ohne vertrauliche Informationen anderer Mitarbeitender preiszugeben.
Du kannst deinen Mitarbeiter außerdem bewusst einbeziehen, wenn es darum geht, faire Abläufe zu entwickeln. Du könntest ein neues Verfahren zur Aufgabenverteilung einführen. Oder du suchst nach einer Möglichkeit, Weiterbildungsangebote transparenter zu vergeben.
Menschen mit Gleichbehandlung können hier wertvolle Perspektiven einbringen. Gleichzeitig solltest du sie dabei unterstützen, individuelle Unterschiede zu berücksichtigen. Denn nicht jede unterschiedliche Behandlung ist automatisch unfair. Manchmal braucht es gerade unterschiedliche Lösungen, damit Menschen vergleichbare Chancen bekommen.
Reflexionsübung
Übung: Gleichbehandlung oder Gerechtigkeit?
Stell dir folgende Situation vor: Du führst ein Team mit fünf Mitarbeitenden. Alle haben grundsätzlich die Möglichkeit, an einer Weiterbildung teilzunehmen. Eine Mitarbeiterin möchte die Weiterbildung besuchen, weil sie sich fachlich weiterentwickeln möchte. Ein anderer Mitarbeiter benötigt sie dringend, weil sich seine Aufgaben verändert haben. Eine dritte Person interessiert sich ebenfalls dafür, hat aber bereits mehrere ähnliche Fortbildungen besucht. Das Budget reicht in diesem Jahr nur für zwei Personen. Wie entscheidest du?
Nimm dir ein paar Minuten Zeit und überlege:
1. Welche Kriterien sind für dich wichtig?
Vielleicht der aktuelle Bedarf, die bisherige Weiterbildung, die beruflichen Aufgaben oder die Entwicklungsmöglichkeiten.
2. Wie kannst du diese Kriterien nachvollziehbar machen?
Würden die Mitarbeitenden verstehen, warum du so entscheidest?
3. Was bedeutet Fairness in dieser Situation?
Sollen alle exakt dieselbe Chance bekommen oder sollten individuelle Voraussetzungen berücksichtigt werden?
4. Wie würdest du deine Entscheidung kommunizieren?
Was könnten die Beteiligten wissen müssen, um sie nachvollziehen zu können? Vielleicht stellst du bei dieser Übung fest, dass Fairness gar nicht immer so einfach ist. Und genau deshalb lohnt es sich, bewusst darüber nachzudenken.
Praxisbeispiel
Ein Unternehmen möchte die Vergabe von Weiterbildungsmaßnahmen neu organisieren.
Bisher entscheiden die einzelnen Führungskräfte weitgehend selbst, welche Mitarbeitenden an welchen Seminaren teilnehmen dürfen. In manchen Abteilungen werden Weiterbildungen großzügig genehmigt. In anderen müssen Mitarbeitende lange auf eine Zusage warten. Die Gründe dafür sind nicht immer nachvollziehbar.
Eine Personalreferentin mit ausgeprägter Gleichbehandlung schlägt vor, ein transparentes Verfahren einzuführen. Gemeinsam mit den Führungskräften entwickelt sie Kriterien.
- Welche Weiterbildung ist für die aktuelle Tätigkeit notwendig?
- Welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen?
- Welche Fortbildungen wurden bereits besucht?
- Und wie können Mitarbeitende ihren Bedarf anmelden?
Das neue Verfahren sorgt dafür, dass Entscheidungen besser nachvollzogen werden können. Die Mitarbeitenden wissen, nach welchen Kriterien Weiterbildungen vergeben werden. Und Führungskräfte haben eine gemeinsame Orientierung.
Interessant ist dabei, dass die Personalreferentin nicht einfach fordert, allen Mitarbeitenden dasselbe Weiterbildungsbudget zur Verfügung zu stellen. Sie möchte vielmehr sicherstellen, dass Entscheidungen auf fairen Grundlagen beruhen. Denn je nach Tätigkeit und Entwicklungssituation können unterschiedliche Weiterbildungen sinnvoll sein. Die Stärke der Gleichbehandlung zeigt sich hier darin, dass sie faire Rahmenbedingungen mit nachvollziehbaren Entscheidungen verbindet.
Woran erkennst du dieses Talent in den ersten fünf Minuten eines Gesprächs?
Vielleicht fällt dir auf, dass dein Gegenüber sehr aufmerksam wird, sobald es um Regeln, Entscheidungen oder unterschiedliche Behandlung geht.
Oder jemand fragt frühzeitig danach, welche Kriterien für eine Entscheidung gelten. Typische Aussagen könnten sein:
- „Gilt das eigentlich für alle?“
- „Nach welchen Kriterien wird das entschieden?“
- „Wie stellen wir sicher, dass niemand benachteiligt wird?“
- „Ich finde, wir sollten dafür eine einheitliche Regelung haben.“
- „Warum machen wir hier eine Ausnahme?“
Vielleicht erzählt jemand auch von einer Situation, in der er sich für eine faire Lösung eingesetzt hat. Aber Vorsicht. Nicht jeder Mensch, der sich für Gerechtigkeit interessiert, hat automatisch Gleichbehandlung unter seinen stärksten Gallup-Talenten.
Vielleicht spielen persönliche Werte, berufliche Erfahrungen oder andere Talente eine wichtige Rolle. Deshalb lohnt es sich, genauer zuzuhören. Besonders interessant ist häufig, warum jemand faire Regeln als wichtig empfindet und wie er mit begründeten Ausnahmen umgeht. Solche Beobachtungen sind Hinweise, keine zuverlässige Talentdiagnose.
Achtung, Verwechslungsgefahr!
Gleichbehandlung (Consistency) oder Überzeugung (Belief)?
Beide Talente können sich darin zeigen, dass Menschen klare Vorstellungen davon haben, was richtig und wichtig ist. Aber die dahinterliegenden Beweggründe können unterschiedlich sein. Menschen mit Gleichbehandlung legen häufig besonderen Wert auf faire Regeln, nachvollziehbare Verfahren und einheitliche Maßstäbe. Menschen mit Überzeugung orientieren sich dagegen stark an ihren grundlegenden Werten. Sie möchten, dass ihr Handeln mit dem übereinstimmt, woran sie glauben.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen möchte eine neue Regelung für die Vergabe von Bonuszahlungen einführen. Die Person mit Gleichbehandlung fragt: „Gelten für alle vergleichbaren Mitarbeitenden dieselben nachvollziehbaren Kriterien?“ Die Person mit Überzeugung fragt möglicherweise: „Passt diese Regelung zu den Werten, für die unser Unternehmen steht?“ Beide Fragen können ausgesprochen wichtig sein. Aber sie entstehen möglicherweise aus unterschiedlichen natürlichen Denkweisen.
Merksatz: Gleichbehandlung achtet auf faire Maßstäbe. Überzeugung orientiert sich an grundlegenden Werten. Natürlich können beide Talente auch bei derselben Person stark ausgeprägt sein. Dann können sich ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und eine starke persönliche Werteorientierung ergänzen.
Besonders wirkungsvoll im Zusammenspiel mit ...
Wie bei allen Gallup-Talenten wird es besonders spannend, wenn wir betrachten, wie Gleichbehandlung mit anderen Talenten zusammenspielt.
- Gleichbehandlung + Einzelwahrnehmung (Individualization): Eine besonders interessante Kombination. Du möchtest faire Rahmenbedingungen schaffen und erkennst gleichzeitig, wie unterschiedlich Menschen sind. Dadurch kannst du möglicherweise besonders gut zwischen gemeinsamen Regeln und individuellen Bedürfnissen unterscheiden.
- Gleichbehandlung + Verantwortungsgefühl (Responsibility): Du nimmst Zusagen ernst und möchtest dafür sorgen, dass Vereinbarungen zuverlässig und fair eingehalten werden.
- Gleichbehandlung + Disziplin (Discipline): Du verbindest klare Strukturen mit nachvollziehbaren Regeln und kannst dadurch verlässliche Abläufe schaffen.
- Gleichbehandlung + Harmoniestreben (Harmony): Du möchtest faire Lösungen finden und gleichzeitig unnötige Konflikte vermeiden. Vielleicht fällt es dir besonders leicht, nach gemeinsamen Grundlagen zu suchen, auf die sich unterschiedliche Menschen verständigen können.
- Gleichbehandlung + Analytisch (Analytical): Du möchtest Entscheidungen anhand nachvollziehbarer Kriterien treffen und kannst Fakten und Zusammenhänge nutzen, um faire Verfahren zu entwickeln. Natürlich sind diese Beispiele keine festen Persönlichkeitstypen. Wie sich die Kombinationen tatsächlich zeigen, hängt immer vom gesamten Talentprofil, den Erfahrungen und der jeweiligen Situation ab.
Leadership-Merksatz
„Deine Superkraft liegt darin, faire Rahmenbedingungen zu schaffen, auf die sich Menschen verlassen können. Gute Führung bedeutet dabei nicht, alle gleich zu behandeln, sondern Entscheidungen so zu treffen, dass sie gerecht, nachvollziehbar und den unterschiedlichen Menschen angemessen sind.“