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#15 Harmoniestreben (Harmony)

Du findest eine gemeinsame Basis.

Wenn die Diskussion sich dreht, suchst du den Punkt, der alle weiterbringt

Harmoniestreben (Harmony), Domäne: Beziehungsaufbau (Relationship Building)
Dienstagmorgen, zehn Uhr. Teambesprechung. Eigentlich wolltet ihr nur klären, wie ihr ein neues Kundenprojekt organisiert. Doch seit zwanzig Minuten diskutieren zwei Kollegen darüber, welche Software ihr verwenden sollt. Der eine findet, dass das bisherige Programm vollkommen ausreicht. Die andere möchte auf eine neue Lösung umsteigen. Beide haben gute Argumente, die sie inzwischen zum dritten Mal wiederholen.

Du hörst zu und fragst dich, warum ihr nicht weiterkommt. Schließlich meldest du dich: „Darf ich kurz zusammenfassen? Ihr wollt doch beide, dass wir unkompliziert zusammenarbeiten können und keine Informationen verloren gehen. Richtig?“ Beide nicken. „Dann lasst uns zuerst festlegen, was die Software können muss. Danach schauen wir, welche Lösung dazu passt.“ Das Gespräch nimmt eine andere Richtung. Die Kollegen beginnen, gemeinsame Anforderungen zu sammeln.

Wenn Harmoniestreben (Harmony) zu deinen stärksten Gallup-Talenten gehört, kommt dir das vielleicht bekannt vor. Du möchtest herausfinden, worauf Menschen sich einigen können. Diskussionen, in denen alle immer wieder ihre Position verteidigen, empfindest du vermutlich als wenig hilfreich.

Dich beschäftigt eher die Frage: Wo liegt unsere gemeinsame Grundlage? Menschen mit Harmoniestreben suchen nach Übereinstimmungen und Lösungen, die sich im Alltag umsetzen lassen. Dafür müssen nicht alle dieselbe Meinung haben. Oft reicht es, einen Weg zu finden, auf dem sie gemeinsam weiterkommen.


Das zeichnet dich aus

Wenn eine Diskussion hitzig wird, fragst du dich vielleicht, ob die Beteiligten wirklich so weit auseinanderliegen, wie es gerade scheint.

Du hörst unterschiedliche Meinungen und entdeckst Gemeinsamkeiten. Zwei Kollegen verfolgen dasselbe Ziel, haben aber verschiedene Vorstellungen vom Weg dorthin.

Oder ein Konflikt ist entstanden, weil beide aneinander vorbeigeredet haben. Wer am Ende die Diskussion gewinnt, interessiert dich meist weniger als eine Lösung, mit der die Beteiligten arbeiten können.

Das kann sich auch außerhalb des Berufs zeigen. Bei der Urlaubsplanung mit Freunden möchte die eine ans Meer, der andere in die Berge und eine dritte Person am liebsten eine Stadt besichtigen. Während die Diskussion immer komplizierter wird, fragst du: „Was ist euch denn am wichtigsten?“ Dabei stellt sich heraus, dass alle Zeit miteinander verbringen möchten, niemand einen anstrengenden Urlaub braucht und gutes Essen für alle dazugehört. Damit lässt sich etwas anfangen. Vielleicht findet ihr einen Ort, der mehrere Wünsche verbindet, oder plant unterschiedliche Aktivitäten ein. Du musst nicht unbedingt deinen eigenen Urlaubsvorschlag durchsetzen.

Dir ist wichtig, dass ihr eine Lösung findet, mit der alle gut leben können.


Die Superkraft

Du erkennst Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Positionen und hilfst Menschen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zwei Abteilungen streiten beispielsweise seit Wochen über die Aufgabenverteilung. Die eine fühlt sich überlastet, die andere hat den Eindruck, ständig zusätzliche Arbeit übernehmen zu müssen. Der Ton wird schärfer, und irgendwann geht es vor allem darum, wer sich in der Vergangenheit unfair verhalten hat. Eine Führungskraft mit ausgeprägtem Harmoniestreben lenkt den Blick auf die künftige Zusammenarbeit: „Was brauchen beide Abteilungen, damit es besser funktioniert?“ Im Gespräch wird deutlich, dass sich alle klare Zuständigkeiten wünschen. Niemand möchte ständig neu über Aufgaben verhandeln.

Beide Bereiche brauchen Verlässlichkeit. Auf dieser Grundlage lassen sich Vereinbarungen treffen. Die Meinungsverschiedenheiten verschwinden dadurch nicht einfach, aber es gibt wieder etwas, woran beide Seiten gemeinsam arbeiten können.

Menschen mit Harmoniestreben können helfen, solche Ansatzpunkte zu finden und festgefahrene Gespräche wieder in Bewegung zu bringen.


Typische Stärken

Menschen mit ausgeprägtem Harmoniestreben können häufig besonders gut:

  • Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Meinungen erkennen
  • Sachliche Lösungen statt persönlicher Auseinandersetzungen fördern
  • Unnötige Konflikte vermeiden
  • Unterschiedliche Interessen miteinander vereinbaren
  • Diskussionen auf gemeinsame Ziele zurückführen
  • Praktikable Kompromisse entwickeln
  • Ruhig und konstruktiv kommunizieren
  • Die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Menschen unterstützen
  • Ein respektvolles Gesprächsklima fördern

Das kann gerade in Teams hilfreich sein, in denen Menschen mit verschiedenen Erfahrungen, Aufgaben und Perspektiven zusammenarbeiten. Unterschiedliche Meinungen gehören dort zum Alltag. Entscheidend ist, wie das Team damit umgeht.

Menschen mit Harmoniestreben können dazu beitragen, dass die Beteiligten einander zuhören und trotz ihrer Unterschiede gemeinsam arbeiten.


Mögliche Schattenseiten

Deine Führungskraft stellt in einer Besprechung einen neuen Arbeitsablauf vor. Du hast sofort Bedenken, weil du aus Erfahrung weißt, dass einige Schritte so nicht funktionieren werden. Deine Kollegen scheinen allerdings begeistert, und deine Führungskraft freut sich über die Zustimmung. Du überlegst: „Muss ich jetzt die Stimmung verderben?“ Also schweigst du.

Einige Wochen später treten genau die Probleme auf, die du vorhergesehen hast. Der Wunsch, Spannungen zu vermeiden, kann dazu führen, dass wichtige Einwände unausgesprochen bleiben. Dabei braucht eine gute Entscheidung manchmal genau diesen Widerspruch.

Auch die Suche nach einem Kompromiss kann schwierig werden, wenn eigentlich eine klare Entscheidung ansteht. Vielleicht möchtest du, dass alle zufrieden sind. Doch nicht jede Lösung kann sämtliche Wünsche erfüllen, und manchmal wäre ein Kompromiss fachlich die schlechtere Wahl.

Für dich kann es deshalb wichtig sein, unnötigen Streit von einer notwendigen Auseinandersetzung zu unterscheiden. Ein respektvolles Miteinander verträgt unterschiedliche Meinungen. Häufig wird die Zusammenarbeit sogar besser, wenn alle offen sagen können, was sie anders sehen.


Führung mit diesem Talent

Als Führungskraft mit Harmoniestreben legst du vermutlich Wert darauf, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen. Du hörst verschiedene Meinungen an und kannst herausarbeiten, worin sich die Beteiligten bereits einig sind. Das hilft besonders dann, wenn dein Team vor lauter unterschiedlichen Vorstellungen sein gemeinsames Ziel aus den Augen verliert.

Zur Führungsaufgabe gehört allerdings auch, Entscheidungen zu treffen, denen nicht alle zustimmen. Dein Team diskutiert beispielsweise darüber, wer eine zusätzliche Aufgabe übernehmen soll. Du hörst dir die Bedenken an und suchst nach einer fairen Verteilung. Trotzdem findet sich niemand, der die Aufgabe gerne übernimmt. Irgendwann musst du entscheiden. Du könntest sagen: „Ich verstehe, dass diese Aufgabe gerade für niemanden ideal ist. Wir haben die Möglichkeiten besprochen. Für die nächsten vier Wochen verteilen wir sie deshalb folgendermaßen.“

Du kannst die Einwände ernst nehmen und trotzdem eine Entscheidung treffen. Sie muss nicht allen gefallen. Sie sollte aber nachvollziehbar, fair und verantwortungsvoll sein.


Mitarbeitende mit diesem Talent führen

Ein Mitarbeiter mit ausgeprägtem Harmoniestreben bemerkt möglicherweise früh, wenn sich eine Diskussion im Kreis dreht. Vielleicht findet er Gemeinsamkeiten zwischen Kollegen, die auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Ansichten vertreten. Das kann bei bereichsübergreifenden Projekten und überall dort helfen, wo viele Abstimmungen nötig sind. Besprecht, bei welchen Aufgaben er diese Fähigkeit gerne einsetzen möchte. Mache ihn allerdings nicht automatisch zum Schlichter für sämtliche Konflikte.

Wer gerne nach Gemeinsamkeiten sucht, möchte deshalb noch lange nicht jede schwierige Auseinandersetzung moderieren. Gib ihm außerdem Raum für abweichende Meinungen.

Wenn er in Besprechungen häufig zustimmt, heißt das nicht zwangsläufig, dass er keine Bedenken hat. Frage mit ehrlichem Interesse nach seiner Sichtweise. Er sollte erleben, dass Kritik gehört wird und sachlicher Widerspruch die Zusammenarbeit nicht gefährdet.


Zusammenarbeit im Team

Ein Projektteam entwickelt ein neues Angebot für einen wichtigen Kunden. Das Marketing möchte eine kreative Lösung, der Vertrieb legt Wert auf die Kundenwünsche und die Finanzabteilung achtet darauf, dass sich das Projekt rechnet. Alle haben gute Gründe für ihre Haltung. Trotzdem kommt das Gespräch kaum voran, weil jede Abteilung vor allem ihre eigene Perspektive verteidigt.

Ein Mitarbeiter mit Harmoniestreben fragt: „Was wollen wir mit dem Angebot gemeinsam erreichen?“ Darauf können sich alle verständigen: Es soll dem Kunden helfen, attraktiv sein und sich für das Unternehmen lohnen. Nun lässt sich konkreter besprechen, wie diese Anforderungen zusammenpassen. Das Marketing passt seine Idee an, der Vertrieb findet einen anderen Weg, einzelne Kundenwünsche zu erfüllen, und die Finanzabteilung prüft den finanziellen Rahmen. Nicht jede ursprüngliche Vorstellung wird umgesetzt, aber die Lösung berücksichtigt mehrere Perspektiven. Dazu können Menschen mit Harmoniestreben beitragen.

Wichtig bleibt, auch unbequeme Einwände ernst zu nehmen. Manchmal enthält gerade die Gegenstimme einen Hinweis, den das Team für seine Entscheidung braucht.


Kommunikation

Vielleicht gehören Fragen wie:

  • „Worauf können wir uns einigen?“
  • „Was ist uns allen wichtig?“ oder
  • „Welche Lösung wäre für beide Seiten akzeptabel?“ zu deinem Wortschatz.

Damit kannst du einem festgefahrenen Gespräch eine neue Richtung geben.

Ein Satz wie „Müssen wir darüber wirklich streiten?“ kann allerdings auch so ankommen, als solle jemand seine Kritik lieber für sich behalten. Eine Kollegin möchte beispielsweise erklären, warum sie eine Entscheidung unfair findet.

Du schlägst vor: „Können wir nicht einfach nach einer gemeinsamen Lösung suchen?“ Das ist gut gemeint, doch möglicherweise fühlt sie sich noch gar nicht gehört.

Frage zunächst: „Was stört dich an der Entscheidung besonders?“

Wenn du ihre Sicht verstanden hast, könnt ihr überlegen: „Was müsste sich ändern, damit die Lösung für uns beide funktioniert?“

Nicht jedes Gespräch wird besser, wenn man möglichst schnell einen Kompromiss vorschlägt. Manchmal braucht es zuerst Zeit, die unterschiedlichen Sichtweisen zu verstehen.


Typische Missverständnisse

„Du gehst jedem Konflikt aus dem Weg.“

Menschen mit Harmoniestreben möchten häufig unnötige Auseinandersetzungen vermeiden. Sie können trotzdem Konflikte ansprechen und bevorzugen dabei möglicherweise eine sachliche Diskussion.


„Du hast keine eigene Meinung.“

Wer nach Gemeinsamkeiten sucht, kann auf andere unentschlossen wirken. Dabei kann die Person klare Überzeugungen haben und zugleich darauf achten, unterschiedliche Ansichten nicht unnötig gegeneinander auszuspielen.


„Du möchtest es immer allen recht machen.“

Häufig geht es darum, eine brauchbare Lösung zu finden. Das bedeutet nicht, jeden Wunsch erfüllen zu wollen.


„Du bist automatisch ein guter Mediator.“

Harmoniestreben kann in Konfliktsituationen hilfreich sein. Professionelle Mediation erfordert darüber hinaus eine fundierte Ausbildung, zusätzliche Kompetenzen und die Fähigkeit, auch schwierige Konflikte strukturiert zu begleiten. Das Talent allein reicht dafür nicht aus.


„Du findest jeden Kompromiss gut.“

Auch Menschen mit Harmoniestreben können erkennen, dass ein Kompromiss nicht trägt und eine klare Entscheidung nötig ist.


Stressauslöser

Wiederkehrende Konflikte und festgefahrene Diskussionen können für Menschen mit ausgeprägtem Harmoniestreben besonders anstrengend sein. Mögliche Stressauslöser sind:

  • Wiederkehrende persönliche Auseinandersetzungen
  • Besprechungen, in denen alle nur ihre eigenen Positionen verteidigen
  • Ein Arbeitsumfeld mit ständigen Machtkämpfen
  • Unnötig konfrontative Kommunikation
  • Situationen, in denen gemeinsame Ziele aus dem Blick geraten
  • Fehlende Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven anzuhören
  • Entscheidungen, bei denen bewusst Gewinner und Verlierer geschaffen werden
  • Das Gefühl, ständig zwischen streitenden Kollegen vermitteln zu müssen

Besonders frustrierend kann es sein, wenn Gespräche immer wieder eskalieren, obwohl du eine Möglichkeit zur Einigung siehst. Du möchtest vorankommen und verstehst vielleicht nicht, warum die Beteiligten weiter auf ihren Positionen beharren. Gleichzeitig gehören Konflikte zum Berufsalltag. Manche Themen müssen offen ausgetragen werden, bevor eine verlässliche Zusammenarbeit wieder möglich ist.


So führst du jemanden mit diesem Talent

Würdige konkret, wenn jemand unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt oder einem Team hilft, wieder über sein gemeinsames Ziel zu sprechen. Gib der Person Gelegenheit, diese Fähigkeit einzusetzen, ohne ihr die Verantwortung für die Stimmung im gesamten Team zu übertragen.

Konflikte zu bearbeiten ist eine gemeinsame Aufgabe.

Schwierige Führungsentscheidungen bleiben deine Verantwortung.

Lade deinen Mitarbeiter außerdem ausdrücklich dazu ein, eigene Bedenken zu äußern. Du kannst vor einer Entscheidung fragen: „Welche Einwände haben wir noch nicht besprochen?“

Zeige auch durch deine Reaktion, dass du eine ehrliche Antwort möchtest. Wer erlebt, dass Widerspruch respektvoll aufgenommen wird, muss weniger befürchten, damit die Zusammenarbeit zu belasten. So kann dein Mitarbeiter seine Sicht einbringen und zugleich dabei helfen, unterschiedliche Positionen miteinander zu verbinden.


Reflexionsübung

Übung: Gemeinsamkeiten erkennen, Unterschiede respektieren.

Denke an eine berufliche Situation, in der zwei Menschen unterschiedliche Meinungen vertreten haben. Vielleicht ging es um die Aufgabenverteilung, eine wichtige Entscheidung oder ein gemeinsames Projekt. Nimm dir einige Minuten Zeit und gehe die folgenden Fragen durch.

1. Welche unterschiedlichen Positionen gab es?

Beschreibe beide Sichtweisen möglichst sachlich.

2. Welche Interessen könnten dahinterstehen?

Vielleicht ging es um Sicherheit, Anerkennung, Qualität oder Zeit.

3. Welche Gemeinsamkeiten gab es?

Möglicherweise wollten beide Seiten ein ähnliches Ergebnis erreichen.

4. Welche Unterschiede mussten trotzdem berücksichtigt werden?

Nicht jede Meinungsverschiedenheit lässt sich vollständig auflösen.

5. Welche Lösung hätte die verschiedenen Interessen möglichst gut berücksichtigt?

Vielleicht wäre ein Kompromiss möglich gewesen. Vielleicht gab es auch eine Alternative, die niemand angesprochen hat.

Lass dir bei dieser Übung Zeit, bevor du nach einer Einigung suchst. Wenn du die Interessen hinter den Positionen besser verstehst, entdeckst du womöglich Möglichkeiten, die im ursprünglichen Gespräch übersehen wurden.


Praxisbeispiel

Eine Führungskraft übernimmt ein Team, in dem zwei Mitarbeitende regelmäßig aneinandergeraten. Die eine arbeitet besonders sorgfältig und prüft Ergebnisse lieber einmal mehr. Der andere möchte schnell vorankommen und ärgert sich über Verzögerungen. Beide engagieren sich für ihre Arbeit, geraten aber wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitsweisen immer wieder in Streit.

Die Führungskraft mit ausgeprägtem Harmoniestreben führt zunächst Einzelgespräche. Dabei erfährt sie, dass beide gute Arbeit leisten und ihre Kunden zufriedenstellen möchten. Anschließend lädt sie zu einem gemeinsamen Gespräch ein und fragt, worauf es den beiden bei der Zusammenarbeit ankommt. Die Mitarbeiterin möchte Fehler vermeiden, der Kollege unnötig lange Projektlaufzeiten verhindern. Gemeinsam besprechen sie, welche Aufgaben eine gründliche Prüfung brauchen und bei welchen eine schnelle Entscheidung ausreicht. Außerdem vereinbaren sie, unterschiedliche Erwartungen früher anzusprechen. Mit der Zeit verbessert sich die Zusammenarbeit. Beide behalten ihre Arbeitsweise, können aber besser einschätzen, wann welche Vorgehensweise gebraucht wird.

Die Führungskraft hat ihre gemeinsamen Interessen aufgegriffen und ihnen geholfen, daraus konkrete Vereinbarungen für den Alltag abzuleiten.


Woran erkennst du dieses Talent in den ersten fünf Minuten eines Gesprächs?

Vielleicht fällt dir auf, dass dein Gegenüber von selbst nach Gemeinsamkeiten sucht oder versucht, unterschiedliche Meinungen zusammenzubringen.

Typische Aussagen könnten sein:

  • „Eigentlich wollen wir doch alle dasselbe“
  • „Worauf können wir uns einigen?“
  • „Ich finde, wir sollten nach einer Lösung suchen“
  • „Müssen wir daraus wirklich einen Streit machen?“
  • „Vielleicht gibt es einen Weg, der für beide Seiten funktioniert.“

In Diskussionen tritt die Person möglicherweise eher vermittelnd auf. Daraus lässt sich allerdings noch kein Talentprofil ableiten. Vielleicht hat sie gelernt, diplomatisch zu kommunizieren, oder erlebt einen Konflikt gerade als besonders unangenehm.

Hör deshalb genauer hin: Sucht jemand ganz selbstverständlich nach Übereinstimmungen?

Macht es der Person Freude, verschiedene Positionen zu einer umsetzbaren Lösung zusammenzuführen? Solche Beobachtungen können Hinweise geben, ersetzen aber keine fundierte Talentanalyse.


Achtung, Verwechslungsgefahr!

Harmoniestreben (Harmony) oder Gleichbehandlung (Consistency)

Beide Talente können sich darin zeigen, dass Menschen Wert auf eine faire und konstruktive Zusammenarbeit legen. Ihre Beweggründe können jedoch unterschiedlich sein.

Menschen mit Harmoniestreben suchen häufig nach Gemeinsamkeiten und danach, wie sich verschiedene Interessen miteinander vereinbaren lassen.

Menschen mit Gleichbehandlung achten besonders auf faire Regeln, nachvollziehbare Standards und eine gerechte Behandlung aller Beteiligten.

Zwei Mitarbeitende streiten beispielsweise darüber, wer eine bestimmte Aufgabe übernimmt. Die Kollegin mit Harmoniestreben fragt: „Welche Lösung wäre für euch beide akzeptabel?“ Der Kollege mit Gleichbehandlung schlägt vor: „Wir sollten eine klare Regel festlegen, nach der wir solche Aufgaben künftig verteilen.“ Beide Ansätze können helfen. Der eine richtet den Blick auf eine Einigung zwischen den Beteiligten, der andere auf verlässliche und faire Rahmenbedingungen.

Merksatz: Harmoniestreben sucht Einigung. Gleichbehandlung sorgt für faire Regeln.

Sind beide Talente bei einer Person stark ausgeprägt, können sich der Wunsch nach Einigung und das Bedürfnis nach fairen Rahmenbedingungen gut ergänzen.


Besonders wirkungsvoll im Zusammenspiel mit ...

  • Welche Rolle Harmoniestreben im Alltag spielt, hängt auch von den anderen Talenten einer Person ab. Harmoniestreben + Einfühlungsvermögen (Empathy): Du suchst nach gemeinsamen Lösungen und hast zugleich ein Gespür dafür, wie sich die Beteiligten in einer schwierigen Situation fühlen.
  • Harmoniestreben + Gleichbehandlung (Consistency): Du möchtest unterschiedliche Interessen miteinander vereinbaren und achtest dabei auf faire, nachvollziehbare Regeln.
  • Harmoniestreben + Einzelwahrnehmung (Individualization): Du erkennst Gemeinsamkeiten und berücksichtigst zugleich, wie unterschiedlich Menschen sind.
  • Harmoniestreben + Kommunikationsfähigkeit (Communication): Du suchst nach Einigung und kannst gemeinsame Ziele und Lösungsvorschläge möglicherweise besonders verständlich formulieren.
  • Harmoniestreben + Analytisch (Analytical): Du möchtest eine gemeinsame Lösung finden und prüfst die verschiedenen Argumente anhand von Fakten und nachvollziehbaren Zusammenhängen.

Diese Beispiele beschreiben keine festen Persönlichkeitstypen. Wie sich die Kombinationen zeigen, hängt vom gesamten Talentprofil, den Erfahrungen und der jeweiligen Situation ab.


Leadership-Merksatz

„Du erkennst, worauf Menschen sich einigen können. Als Führungskraft hilfst du ihnen, daraus eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Dazu gehört auch, Unterschiede offen anzusprechen und notwendige Konflikte auszuhalten.“

Porträt von Sandra Turner

Sandra Turner

Über die Autorin

Sandra Turner ist zertifizierte Gallup-Stärkencoachin, Leadership- und Teamcoach, Trainerin und Wirtschaftsmediatorin.

Sie begleitet Menschen dabei, ihre Talente zu entdecken, ihre persönliche Kombination zu verstehen und daraus echte Stärken zu entwickeln.