Du machst aus guten Vorsätzen echte Ergebnisse
Leistungsorientierung (Achiever), Domäne: Durchführung (Executing)
Freitagabend, kurz vor sechs. Du schaust auf deine Aufgabenliste und entdeckst, dass du heute ziemlich viel geschafft hast.
- Die Präsentation ist fertig.
- Zwei wichtige Kundengespräche sind geführt.
- Die Angebote sind verschickt.
- Und das Projekt, das dich schon seit Wochen beschäftigt, ist endlich abgeschlossen.
Du lehnst dich zurück und bist zufrieden. Ein richtig guter Tag! Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Es ist nicht unbedingt das Lob deines Chefs, das dich glücklich macht. Auch nicht die Aussicht auf eine Prämie oder eine Beförderung. Du freust dich einfach darüber, dass du etwas geschafft hast. Und wenn du ehrlich bist, macht es dir sogar Spaß, viel zu tun zu haben. Wenn Leistungsorientierung (Achiever) zu deinen stärksten Gallup-Talenten gehört, kommt dir diese Denkweise wahrscheinlich ziemlich bekannt vor.
Menschen mit diesem Talent haben häufig einen ausgeprägten inneren Antrieb, produktiv zu sein und etwas zu erreichen. Sie erleben Zufriedenheit, wenn sie Aufgaben erledigen, Fortschritte machen und Ergebnisse sehen.
Dabei brauchen sie nicht unbedingt jemanden, der sie ständig motiviert. Ihr Antrieb kommt häufig von innen. Und genau das kann eine wunderbare Stärke sein.
Das zeichnet dich aus
Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die morgens aufstehen und bereits überlegen, was sie heute alles erledigen möchten. Du hast Freude daran, aktiv zu sein. Du möchtest etwas bewegen, Aufgaben abschließen und am Ende des Tages sehen, was du geschafft hast.
Vielleicht schreibst du dir sogar Dinge auf deine To-do-Liste, die du bereits erledigt hast. Einfach, weil es so schön ist, sie anschließend abhaken zu können. Hand aufs Herz: Das hat doch etwas Befriedigendes, oder?
Kennst du auch dieses Gefühl, wenn du einen ganzen Tag in Besprechungen verbracht hast. Du hast viel gesprochen, zugehört und diskutiert. Aber am Abend fragst du dich: „Was habe ich heute eigentlich geschafft?“ Für andere war es vielleicht ein erfolgreicher Arbeitstag. Du dagegen vermisst das Gefühl, etwas Konkretes erledigt zu haben.
Menschen mit Leistungsorientierung möchten häufig Fortschritte sehen. Sie haben Freude daran, Aufgaben anzupacken und sich kontinuierlich mit neuen Herausforderungen zu beschäftigen. Dabei müssen sie nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Vielleicht arbeiten sie sogar lieber im Hintergrund. Hauptsache, es geht etwas voran.
Die Superkraft
Du bringst einen starken inneren Antrieb mit, der dir hilft, dranzubleiben, Aufgaben zu erledigen und aus Vorhaben konkrete Ergebnisse zu machen.
Stell dir vor, ein Unternehmen möchte innerhalb von drei Monaten ein neues Kundenangebot entwickeln. Das Projekt ist anspruchsvoll. Es gibt zahlreiche Aufgaben, viele Abstimmungen und immer wieder neue Herausforderungen. Ein Mitarbeiter mit ausgeprägter Leistungsorientierung übernimmt einen wichtigen Teil des Projekts. Er arbeitet sich engagiert in die Aufgaben ein, bleibt konsequent dran und freut sich über jeden erreichten Meilenstein. Wenn eine Aufgabe abgeschlossen ist, beschäftigt er sich bereits mit der nächsten. Nicht unbedingt, weil ihn jemand dazu auffordert, sondern weil er Freude daran hat, produktiv zu sein.
Das kann für ein Team unglaublich wertvoll sein. Denn gute Ideen sind wichtig. Aber irgendwann braucht es Menschen, die bereit sind, die notwendige Arbeit zu leisten. Menschen mit Leistungsorientierung können hier einen großen Beitrag leisten. Sie bringen häufig Ausdauer, Einsatzbereitschaft und den Wunsch mit, etwas zu schaffen.
Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen einem Projekt, über das viel gesprochen wird, und einem Projekt, das tatsächlich umgesetzt wird.
Typische Stärken
Menschen mit ausgeprägter Leistungsorientierung können häufig besonders gut:
- Sich selbst zu produktivem Arbeiten motivieren
- Aufgaben engagiert und ausdauernd bearbeiten
- Auch bei anspruchsvollen Vorhaben dranzubleiben
- Freude an sichtbaren Fortschritten entwickeln
- Ein hohes Arbeitspensum bewältigen, wenn die Rahmenbedingungen passen
- Aufgaben konsequent zum Abschluss bringen
- Verantwortung für die eigene Arbeitsleistung übernehmen
- Sich immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen suchen
- Durch ihren Einsatz andere Menschen motivieren
Besonders interessant finde ich, dass Menschen mit Leistungsorientierung häufig gar nicht unbedingt das Gefühl haben, besonders fleißig zu sein. Für sie ist es einfach selbstverständlich, etwas zu tun. Vielleicht fragen sie sich sogar, warum andere nach einer erledigten Aufgabe erst einmal eine Pause machen möchten. Schließlich könnte man doch gleich die nächste angehen. Und genau hier beginnt eine der spannenden Seiten dieses Talents.
Mögliche Schattenseiten
Stell dir vor, du hast einen wirklich erfolgreichen Tag hinter dir. Du hast viel geschafft, wichtige Aufgaben erledigt und kannst mit deinem Ergebnis zufrieden sein. Eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, Feierabend zu machen. Aber du schaust noch einmal auf deine Aufgabenliste. Da stehen noch drei Dinge. Nichts besonders Dringendes. Trotzdem denkst du: „Ach, das mache ich schnell noch.“ Aus einer halben Stunde werden zwei. Und irgendwann sitzt du immer noch am Schreibtisch.
Das kommt dir vielleicht bekannt vor: Menschen mit ausgeprägter Leistungsorientierung können manchmal Schwierigkeiten damit haben, bewusst aufzuhören. Denn das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben, macht Lust auf mehr. Und wenn immer neue Aufgaben dazukommen, gibt es eigentlich nie einen natürlichen Endpunkt.
Die mögliche Schattenseite liegt deshalb darin, dass du deine eigenen Grenzen aus dem Blick verlierst. Vielleicht gönnst du dir zu wenig Pausen. Oder du hast ein schlechtes Gewissen, wenn du einmal nichts Produktives tust.
Manche Menschen mit Leistungsorientierung bewerten sogar ihre Freizeit danach, was sie alles erledigt haben. Ein freier Samstag? Wunderbar. Endlich Zeit, die Garage aufzuräumen, den Garten zu machen, die Steuerunterlagen zu sortieren und den Keller auszumisten.
Und wann entspannst du dich? „Danach!“ Nur dass danach meistens schon die nächste Aufgabe wartet. Deshalb kann eine wichtige Entwicklungsaufgabe darin bestehen, bewusst zu erkennen, wann genug tatsächlich genug ist. Denn deine Leistungsfähigkeit ist wertvoll. Aber du musst nicht jede Minute produktiv sein, um etwas wert zu sein.
Führung mit diesem Talent
Als Führungskraft mit Leistungsorientierung kannst du deinem Team viel Tatkraft und Einsatzbereitschaft vorleben. Du arbeitest engagiert, übernimmst Verantwortung und möchtest gemeinsam gute Ergebnisse erzielen.
Vielleicht bist du die Führungskraft, die auch bei schwierigen Projekten konsequent dranbleibt. Du möchtest, dass Aufgaben erledigt werden und das Team Fortschritte macht. Das kann sehr motivierend sein.
Allerdings solltest du darauf achten, deine eigene Arbeitsweise nicht automatisch zum Maßstab für alle Mitarbeitenden zu machen. Denn nicht jeder Mensch empfindet dieselbe Freude daran, möglichst viele Aufgaben zu erledigen. Manche brauchen mehr Zeit zum Nachdenken. Andere möchten zunächst unterschiedliche Möglichkeiten prüfen. Und wieder andere legen besonderen Wert auf Beziehungen und den gemeinsamen Austausch.
Vielleicht hast du einen Mitarbeiter, der seine Aufgaben hervorragend erledigt, aber nach Feierabend konsequent abschaltet. Du selbst beantwortest abends noch E-Mails und bereitest bereits den nächsten Tag vor. Das bedeutet nicht, dass dein Mitarbeiter weniger engagiert ist. Er arbeitet möglicherweise einfach anders.
Gerade als Führungskraft mit Leistungsorientierung lohnt es sich deshalb, zwischen Ergebnissen und persönlichem Arbeitseinsatz zu unterscheiden. Nicht die Anzahl der Arbeitsstunden sollte entscheidend sein. Sondern die Qualität der Arbeit und die vereinbarten Ergebnisse. Und noch etwas ist wichtig. Wenn du selbst ständig arbeitest, kann dein Team den Eindruck bekommen, dass genau das von allen erwartet wird. Auch wenn du es niemals ausdrücklich gesagt hast.
Deshalb ist es eine wichtige Führungsaufgabe, nicht nur Einsatzbereitschaft vorzuleben. Sondern auch einen gesunden Umgang mit Belastung und Erholung.
Mitarbeitende mit diesem Talent führen
Wenn du einen Mitarbeiter mit ausgeprägter Leistungsorientierung hast, kannst du häufig auf einen Menschen zählen, der gerne etwas schafft. Vielleicht übernimmt er engagiert neue Aufgaben. Oder er freut sich besonders darüber, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde.
Wichtig ist, dass du ihm Möglichkeiten gibst, Fortschritte zu erleben. Klare Aufgaben, nachvollziehbare Ziele und sichtbare Ergebnisse können besonders motivierend sein. Vielleicht hilft es, größere Projekte in überschaubare Etappen zu unterteilen. So wird deutlich, was bereits erreicht wurde.
Gleichzeitig solltest du darauf achten, diesen Mitarbeiter nicht ständig mit zusätzlichen Aufgaben zu belohnen. Das passiert in Unternehmen erstaunlich häufig. Wer zuverlässig viel schafft, bekommt immer noch mehr. Und irgendwann wundern sich alle, warum gerade die engagiertesten Mitarbeitenden erschöpft sind.
Deshalb lohnt es sich, regelmäßig über die Arbeitsbelastung zu sprechen. Nicht nur darüber, was noch erledigt werden muss. Sondern auch darüber, welche Aufgaben wirklich wichtig sind und wo Grenzen liegen. Denn Menschen mit Leistungsorientierung brauchen nicht unbedingt jemanden, der sie ständig antreibt. Manchmal brauchen sie eher jemanden, der ihnen hilft, rechtzeitig eine Pause zu machen.
Zusammenarbeit im Team
Stell dir vor, ein Team entwickelt ein neues Angebot. Die ersten Besprechungen laufen hervorragend. Es entstehen viele Ideen, unterschiedliche Möglichkeiten werden diskutiert und alle sind begeistert. Nach drei Wochen gibt es allerdings noch immer kein konkretes Ergebnis. Ein Mitarbeiter mit ausgeprägter Leistungsorientierung fragt irgendwann: „Können wir jetzt bitte anfangen, die Aufgaben abzuarbeiten?“ Vielleicht ist das genau der Impuls, den das Team braucht.
Menschen mit Leistungsorientierung können dazu beitragen, dass Projekte vorankommen und Aufgaben tatsächlich erledigt werden. Sie bringen häufig eine hohe Einsatzbereitschaft mit und haben Freude daran, Fortschritte zu erzielen. Allerdings sollten sie berücksichtigen, dass andere Menschen möglicherweise andere Beiträge leisten. Eine Kollegin mit Analytisch (Analytical) möchte zunächst wichtige Informationen prüfen. Ein Mitarbeiter mit Einfühlungsvermögen (Empathy) achtet darauf, wie sich die Zusammenarbeit für die Beteiligten anfühlt. Und jemand mit Vorstellungskraft (Ideation) entwickelt neue Möglichkeiten, die das Ergebnis verbessern könnten. All diese Beiträge können wertvoll sein. Auch wenn sie sich nicht immer sofort auf einer erledigten Aufgabenliste wiederfinden.
Gerade in Teams ist es deshalb wichtig, Leistung nicht ausschließlich daran zu messen, wie viele Aufgaben jemand abgeschlossen hat. Denn gute Zusammenarbeit entsteht, wenn unterschiedliche Talente ihren Beitrag leisten können.
Kommunikation
Menschen mit Leistungsorientierung sprechen häufig gerne darüber, was erledigt wurde und welche Aufgaben als Nächstes anstehen. Vielleicht fragst du in Besprechungen:
- „Wie weit sind wir?“
- „Was haben wir bereits geschafft?“
- „Welche Aufgaben stehen noch aus?“
Das kann sehr hilfreich sein. Denn Fortschritte sichtbar zu machen, gibt einem Team Orientierung. Allerdings solltest du darauf achten, dass Gespräche nicht ausschließlich um Aufgaben und Ergebnisse kreisen.
Manchmal möchten Kollegen auch über Schwierigkeiten sprechen. Oder sie brauchen Zeit, um gemeinsam über eine Lösung nachzudenken. Vielleicht ist noch gar nicht klar, welcher nächste Schritt sinnvoll ist.
Wenn du selbst Leistungsorientierung mitbringst, kann es hilfreich sein, gelegentlich bewusst zuzuhören, ohne sofort die nächste Aufgabe daraus abzuleiten. Und wenn du mit einem Menschen kommunizierst, der dieses Talent stark ausgeprägt hat, lohnt es sich, Fortschritte konkret anzusprechen. Nicht nur: „Gut gemacht.“ Sondern beispielsweise: „Du hast in den vergangenen zwei Wochen unglaublich viel dazu beigetragen, dass wir unser Projektziel erreicht haben.“ Solche Rückmeldungen machen sichtbar, welchen Wert der Einsatz dieser Person hat.
Typische Missverständnisse
„Du denkst nur an die Arbeit.“
Menschen mit Leistungsorientierung haben häufig Freude daran, produktiv zu sein. Das bedeutet nicht automatisch, dass ihnen Familie, Freunde oder Freizeit weniger wichtig sind. Vielleicht erleben sie einfach besondere Zufriedenheit, wenn sie etwas geschafft haben.
„Du willst immer besser sein als andere.“
Leistungsorientierung ist nicht dasselbe wie Wettbewerbsorientierung. Menschen mit Leistungsorientierung möchten häufig vor allem produktiv sein und etwas erreichen. Dafür müssen sie sich nicht unbedingt mit anderen vergleichen.
„Du kannst nicht entspannen.“
Auch Menschen mit Leistungsorientierung können Erholung genießen. Manchmal müssen sie allerdings bewusster darauf achten, sich ausreichend Zeit dafür zu nehmen.
„Du erwartest von allen denselben Einsatz.“
Das muss keineswegs so sein. Menschen mit Leistungsorientierung können sehr wohl verstehen, dass andere unterschiedlich arbeiten. Vielleicht lohnt es sich lediglich, die eigenen Erwartungen gelegentlich zu überprüfen.
Stressauslöser
Menschen mit ausgeprägter Leistungsorientierung können besonders unter Druck geraten, wenn sie das Gefühl haben, nicht voranzukommen.
Mögliche Stressauslöser sind:
- Lange Phasen ohne sichtbare Ergebnisse
- Unklare Aufgaben und fehlende Prioritäten
- Projekte, die immer wieder verschoben werden
- Zu viele Besprechungen ohne konkrete Fortschritte
- Fehlende Möglichkeiten, eigenständig etwas zu erledigen
- Unnötige Hindernisse und langwierige Abstimmungen
- Das Gefühl, trotz großer Anstrengung nichts geschafft zu haben
- Eine dauerhaft zu hohe Arbeitsbelastung ohne ausreichende Erholung.
Interessant ist dabei, dass Menschen mit Leistungsorientierung manchmal selbst dazu beitragen, dass ihre Belastung immer weiter steigt. Vielleicht übernehmen sie zusätzliche Aufgaben, weil sie gerne produktiv sind. Oder sie setzen sich immer neue Ziele, ohne die bereits erreichten Ergebnisse ausreichend zu würdigen. Deshalb kann es hilfreich sein, nicht nur den nächsten Fortschritt im Blick zu haben. Sondern auch das, was bereits geschafft wurde.
So führst du jemanden mit diesem Talent
Wenn du jemanden mit Leistungsorientierung führst, solltest du ihm die Möglichkeit geben, produktiv zu arbeiten und Fortschritte zu erleben.
- Vereinbare klare Aufgaben und realistische Ziele.
- Mache sichtbar, welche Ergebnisse bereits erreicht wurden.
- Und gib deinem Mitarbeiter Gelegenheit, Verantwortung für anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen.
Gleichzeitig solltest du darauf achten, dass aus seiner hohen Einsatzbereitschaft keine dauerhafte Überlastung entsteht. Vielleicht ist er derjenige, der immer einspringt, wenn irgendwo Unterstützung gebraucht wird. Oder derjenige, der auch kurzfristige Aufgaben zuverlässig erledigt. Das ist wertvoll. Aber es darf nicht dazu führen, dass er ständig mehr übernimmt als andere.
Achte deshalb auf eine faire Aufgabenverteilung. Und sprich regelmäßig darüber, welche Prioritäten wirklich wichtig sind. Manchmal kann es sogar sinnvoll sein, gemeinsam festzulegen, welche Aufgaben bewusst nicht erledigt werden. Denn auch Menschen mit Leistungsorientierung müssen nicht alles schaffen.
Reflexionsübung
Übung: Wann ist genug eigentlich genug?
Nimm dir am Ende eines Arbeitstages ein paar Minuten Zeit. Schreibe zunächst fünf Dinge auf, die du heute geschafft hast. Das müssen keine großen Erfolge sein. Vielleicht hast du ein schwieriges Gespräch geführt, eine wichtige Aufgabe abgeschlossen oder einem Kollegen geholfen.
Anschließend überlege:
1. Worauf bin ich heute besonders stolz?
Was ist mir gut gelungen?
2. Was habe ich heute bewusst nicht erledigt?
Gab es Aufgaben, die warten konnten?
3. Wie habe ich für Erholung gesorgt?
Habe ich Pausen gemacht oder mir Zeit für etwas genommen, das mir Freude bereitet?
4. Was wäre passiert, wenn ich heute eine Stunde früher aufgehört hätte?
Wären tatsächlich wichtige Dinge liegen geblieben?
5. Was möchte ich morgen anders machen?
Vielleicht möchtest du deine Aufgaben bewusster priorisieren oder einen festen Feierabend einplanen.
Die Idee hinter dieser Übung ist einfach. Du darfst stolz auf deine Leistungen sein. Aber du musst nicht jeden Tag möglichst viel schaffen. Manchmal ist ein guter Tag auch einer, an dem du bewusst entschieden hast, was wirklich wichtig ist.
Praxisbeispiel
Stell dir vor, eine Marketingabteilung bereitet eine große Produkteinführung vor. Die Aufgaben sind vielfältig. Es müssen Präsentationen erstellt, Veranstaltungen organisiert, Texte geschrieben und zahlreiche Abstimmungen durchgeführt werden.
Eine Mitarbeiterin mit ausgeprägter Leistungsorientierung übernimmt einen wichtigen Teil der Vorbereitung. Sie arbeitet engagiert, erledigt ihre Aufgaben zuverlässig und freut sich über jeden abgeschlossenen Meilenstein. Wenn eine Aufgabe fertig ist, übernimmt sie gerne die nächste. Ihre Führungskraft ist begeistert. „Auf dich kann man sich wirklich verlassen!“
Mit der Zeit bekommt die Mitarbeiterin immer mehr Aufgaben. Schließlich ist sie so zuverlässig. Nach einigen Wochen merkt sie allerdings, dass sie kaum noch Pausen macht und auch abends regelmäßig arbeitet. Trotzdem fällt es ihr schwer, Aufgaben abzugeben. Sie möchte schließlich, dass alles rechtzeitig fertig wird.
In einem Gespräch mit ihrer Führungskraft wird deutlich, dass ihre hohe Einsatzbereitschaft längst selbstverständlich geworden ist. Gemeinsam überprüfen sie die Aufgabenverteilung. Einige Aufgaben werden neu priorisiert. Andere übernimmt das Team. Und die Mitarbeiterin bekommt wieder ausreichend Zeit, sich auf ihre wichtigsten Aufgaben zu konzentrieren.
Ihre Leistungsorientierung bleibt eine große Stärke. Aber sie lernt, diese Stärke bewusster einzusetzen. Denn gute Leistung bedeutet nicht, möglichst viel allein zu schaffen. Sondern die eigenen Fähigkeiten so einzusetzen, dass langfristig gute Ergebnisse möglich bleiben.
Woran erkennst du dieses Talent in den ersten fünf Minuten eines Gesprächs?
Vielleicht erzählt dir jemand begeistert davon, was er in den vergangenen Tagen alles erledigt hat. Oder du bemerkst, dass dein Gegenüber sehr schnell darüber spricht, welche Aufgaben noch anstehen.
Typische Aussagen könnten sein:
- „Ich habe heute schon richtig viel geschafft.“
- „Ich liebe es, wenn ich etwas von meiner Liste streichen kann.“
- „Wenn ich eine Aufgabe abgeschlossen habe, suche ich mir gerne die nächste.“
- „Ich brauche einfach das Gefühl, dass etwas vorangeht.“
- „Am Ende des Tages möchte ich sehen, was ich erreicht habe.“
Vielleicht fällt dir auch auf, dass jemand besonders zufrieden wirkt, wenn er von abgeschlossenen Projekten erzählt. Aber Vorsicht. Nicht jeder fleißige oder produktive Mensch hat automatisch Leistungsorientierung unter seinen stärksten Gallup-Talenten. Vielleicht arbeitet die Person besonders viel, weil ihre berufliche Situation es verlangt. Oder weil sie sich bestimmte Ziele gesetzt hat.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuhören. Besonders interessant ist häufig, ob jemand tatsächlich Freude am produktiven Arbeiten empfindet oder vor allem aus äußeren Erwartungen heraus handelt. Solche Beobachtungen können Hinweise geben, ersetzen aber keine fundierte Talentanalyse.
Achtung, Verwechslungsgefahr!
Leistungsorientierung (Achiever) oder Wettbewerbsorientierung (Competition):
Beide Talente können sich darin zeigen, dass Menschen ehrgeizig sind und viel erreichen möchten. Aber die dahinterliegenden Beweggründe können unterschiedlich sein.
Menschen mit Leistungsorientierung haben häufig Freude daran, produktiv zu sein und Aufgaben zu erledigen. Sie möchten etwas schaffen.
Menschen mit Wettbewerbsorientierung vergleichen ihre Leistungen dagegen häufig mit denen anderer. Sie möchten wissen, wie gut sie im Vergleich abschneiden, und haben Freude daran, erfolgreich zu sein.
Ein Beispiel: Zwei Kollegen nehmen an einem internen Vertriebswettbewerb teil. Der Mitarbeiter mit Leistungsorientierung freut sich darüber, dass er in dieser Woche besonders viele Kundengespräche geführt und mehrere Angebote abgeschlossen hat. Die Kollegin mit Wettbewerbsorientierung möchte wissen, wie ihre Ergebnisse im Vergleich zu den anderen Teilnehmern aussehen.
Beide können sehr engagiert arbeiten. Aber möglicherweise aus unterschiedlichen Gründen.
Merksatz: Leistungsorientierung freut sich über das, was geschafft wurde. Wettbewerbsorientierung möchte im Vergleich erfolgreich sein. Natürlich können beide Talente auch bei derselben Person stark ausgeprägt sein. Dann kann die Freude am produktiven Arbeiten mit einem ausgeprägten Wettbewerbsgeist zusammenkommen.
Besonders wirkungsvoll im Zusammenspiel mit ...
Wie bei allen Gallup-Talenten wird es besonders spannend, wenn wir betrachten, wie Leistungsorientierung mit anderen Talenten zusammenspielt.
- Leistungsorientierung + Fokus (Focus): Du hast Freude daran, produktiv zu sein, und kannst deine Aufgaben konsequent auf ein klares Ziel ausrichten.
- Leistungsorientierung + Höchstleistung (Maximizer): Du möchtest viel schaffen und gleichzeitig besonders gute Ergebnisse erzielen. Diese Kombination kann sehr wirkungsvoll sein, wenn du bewusst darauf achtest, Qualität und Arbeitsaufwand sinnvoll miteinander zu verbinden.
- Leistungsorientierung + Verantwortungsgefühl (Responsibility): Du nimmst Zusagen ernst und bringst häufig eine hohe Einsatzbereitschaft mit, um deine Verpflichtungen zuverlässig zu erfüllen.
- Leistungsorientierung + Entwicklung (Developer): Du hast Freude daran, Fortschritte zu erleben, und kannst besonders motiviert sein, wenn du auch die Entwicklung anderer Menschen sichtbar unterstützen kannst.
- Leistungsorientierung + Positive Einstellung (Positivity): Du verbindest deine Freude am produktiven Arbeiten möglicherweise mit Begeisterung und Optimismus. Das kann gerade in anspruchsvollen Projekten eine motivierende Wirkung auf andere haben.
Natürlich sind diese Beispiele keine festen Persönlichkeitstypen. Wie sich die Kombinationen tatsächlich zeigen, hängt immer vom gesamten Talentprofil, den Erfahrungen und der jeweiligen Situation ab.
Leadership-Merksatz
„Deine Superkraft liegt darin, mit Ausdauer und Freude am Tun echte Ergebnisse zu schaffen. Gute Führung bedeutet, diese Leistungsbereitschaft bewusst einzusetzen und zu erkennen, dass nachhaltiger Erfolg auch Pausen braucht.“