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#08 Verantwortungsgefühl (Responsibility)

Auf dein Wort ist Verlass.

Wenn du etwas versprichst, setzt du es um

Verantwortungsgefühl (Responsibility), Domäne: Durchführung (Executing)

Es ist Freitagnachmittag. Du hast deine wichtigsten Aufgaben erledigt und freust dich aufs Wochenende. Da fällt dir plötzlich etwas ein. Du hast deiner Kollegin versprochen, ihr noch eine Rückmeldung zu einem Konzept zu geben. Eigentlich ist es nicht dringend. Sie braucht die Antwort erst am Montag. Aber du hast es ihr zugesagt.

Also öffnest du noch einmal deinen Laptop und schreibst die Rückmeldung. Nicht, weil deine Kollegin dich daran erinnert hat und auch nicht, weil dein Chef kontrolliert, ob du alles erledigt hast. Sondern weil du ein Versprechen gegeben hast. Vielleicht kennst du solche Situationen.

Wenn Verantwortungsgefühl (Responsibility) zu deinen stärksten Gallup-Talenten gehört, haben persönliche Zusagen für dich wahrscheinlich eine besondere Bedeutung. Du möchtest dein Wort halten. Wenn du eine Aufgabe übernimmst, fühlst du dich persönlich dafür verantwortlich, dass sie zuverlässig erledigt wird. Und wenn etwas nicht wie vereinbart funktioniert, möchtest du das nicht einfach übergehen.

Menschen mit diesem Talent nehmen Verpflichtungen häufig besonders ernst. Das kann eine große Stärke sein. Denn in einer Welt, in der viel versprochen und manches wieder vergessen wird, sind Menschen unglaublich wertvoll, auf deren Wort man sich verlassen kann.


Das zeichnet dich aus

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die sich genau merken, was sie anderen zugesagt haben. Du möchtest Vereinbarungen einhalten. Und wenn du eine Aufgabe übernimmst, möchtest du sie ordentlich erledigen. Vielleicht fällt es dir sogar schwer, eine Zusage zurückzunehmen, obwohl sich die Umstände inzwischen verändert haben.

Denn für dich ist ein Versprechen nicht einfach eine unverbindliche Absichtserklärung. Es ist eine persönliche Verpflichtung. Vielleicht hast du schon einmal erlebt, dass jemand ganz selbstverständlich sagt: „Ach, das machen wir dann eben nächste Woche.“ Und du denkst: „Aber wir haben doch vereinbart, dass es heute fertig wird.“

Dabei geht es dir nicht unbedingt darum, besonders streng zu sein. Du möchtest einfach, dass Menschen sich aufeinander verlassen können. Vielleicht bist du auch die Person, die sich entschuldigt, wenn etwas nicht wie geplant funktioniert hat. Selbst dann, wenn du die Situation gar nicht vollständig beeinflussen konntest.

Denn du fühlst dich für das Ergebnis verantwortlich. Und genau darin liegt eine der besonderen Eigenschaften dieses Talents. Du übernimmst Verantwortung nicht nur, weil es zu deiner Stellenbeschreibung gehört. Sondern weil du dich persönlich mit deinen Zusagen verbunden fühlst.


Die Superkraft

Du schaffst Vertrauen, weil deine Worte und dein Handeln zusammenpassen.

Stell dir vor, ein Unternehmen arbeitet an einem wichtigen Kundenprojekt. Die Anforderungen sind anspruchsvoll, der Zeitplan ist eng und mehrere Abteilungen müssen zusammenarbeiten. Eine Mitarbeiterin mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl übernimmt die Koordination eines wichtigen Arbeitspakets.

Sie weiß, welche Aufgaben vereinbart wurden. Sie hält die Termine im Blick und informiert die Beteiligten rechtzeitig, wenn Schwierigkeiten auftreten. Wenn etwas nicht wie geplant funktioniert, sucht sie nach einer Lösung. Und wenn sie merkt, dass eine Zusage nicht eingehalten werden kann, spricht sie das offen an. Ihre Kollegen wissen:

Wenn sie sagt, dass sie sich um etwas kümmert, meint sie es ernst. Das schafft Vertrauen. Denn gute Zusammenarbeit hängt nicht nur von fachlichen Fähigkeiten ab. Sie lebt auch davon, dass Menschen ihre Zusagen ernst nehmen. Gerade in anspruchsvollen Projekten kann diese Verlässlichkeit unglaublich wertvoll sein. Menschen mit Verantwortungsgefühl tragen häufig dazu bei, dass aus Vereinbarungen tatsächlich verbindliche Handlungen werden.


Typische Stärken

Menschen mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl können häufig besonders gut:

  • Persönliche Zusagen ernst nehmen und einhalten
  • Verantwortung für übernommene Aufgaben übernehmen
  • Verlässlich und gewissenhaft handeln
  • Offen ansprechen, wenn etwas nicht wie vereinbart funktioniert
  • Vertrauen durch konsequentes Handeln aufbauen
  • Auch bei Schwierigkeiten an Verpflichtungen festhalten
  • Fehler eingestehen und nach Lösungen suchen
  • Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit fördern
  • Langfristig vertrauensvolle Beziehungen aufbauen

Besonders interessant ist, dass Menschen mit Verantwortungsgefühl häufig gar nicht darüber nachdenken, wie verlässlich sie sind. Für sie ist es selbstverständlich, ihr Wort zu halten.

Vielleicht sind sie deshalb manchmal überrascht, wenn andere sich ausdrücklich dafür bedanken. „Danke, dass du dich darum gekümmert hast.“ Und sie antworten: „Aber das hatte ich doch versprochen.“ Genau. Und gerade deshalb ist es so wertvoll.


Mögliche Schattenseiten

Stell dir vor, du arbeitest in einem Team, in dem gerade besonders viel zu tun ist. Ein Kollege fragt, ob du eine zusätzliche Aufgabe übernehmen kannst. Eigentlich bist du bereits ziemlich ausgelastet. Aber du möchtest ihn nicht hängen lassen. Also sagst du: „Ja, das bekomme ich schon irgendwie hin.“ Am nächsten Tag kommt eine weitere Anfrage. Wieder sagst du zu. Und am Freitag sitzt du vor einer Aufgabenliste, die inzwischen kaum noch zu bewältigen ist. Du bist müde. Du bist gestresst. Aber Aufgaben abzugeben kommt für dich zunächst nicht infrage. Schließlich hast du zugesagt.

Kennst du dieses Gefühl? Menschen mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl können manchmal Schwierigkeiten damit haben, Nein zu sagen. Denn eine Zusage hat für sie ein besonderes Gewicht.

Sie möchten andere nicht enttäuschen. Und sie fühlen sich möglicherweise sogar dann verantwortlich, wenn die Umstände längst eine neue Vereinbarung erforderlich machen würden.

Die mögliche Schattenseite liegt deshalb darin, zu viel Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht übernimmst du Aufgaben, die eigentlich anderen gehören. Oder du versuchst, Probleme allein zu lösen, obwohl du Unterstützung gebrauchen könntest.

Manchmal fühlst du dich sogar für Dinge verantwortlich, die du überhaupt nicht beeinflussen kannst. Deshalb ist es wichtig, zwischen Verantwortung und Überverantwortung zu unterscheiden. Du darfst zuverlässig sein. Du darfst dein Wort ernst nehmen. Aber du musst nicht alles allein schaffen.

Und manchmal ist es verantwortungsvoller, rechtzeitig zu sagen: „Ich merke, dass ich das unter diesen Bedingungen nicht wie vereinbart erledigen kann. Lass uns gemeinsam eine Lösung finden.“ Denn Verlässlichkeit bedeutet nicht, niemals eine Zusage verändern zu dürfen. Sondern offen und verantwortungsbewusst damit umzugehen.


Führung mit diesem Talent

Als Führungskraft mit Verantwortungsgefühl kannst du deinem Team viel Sicherheit geben.

Du nimmst deine Zusagen ernst. Wenn du etwas versprichst, möchtest du es auch einhalten. Deine Mitarbeitenden können sich häufig darauf verlassen, dass du Vereinbarungen nicht einfach vergisst.

Vielleicht gehörst du zu den Führungskräften, die auch bei schwierigen Entscheidungen Verantwortung übernehmen. Wenn etwas nicht funktioniert, suchst du nicht sofort nach einem Schuldigen. Du möchtest verstehen, was passiert ist und wie sich die Situation verbessern lässt. Das kann eine große Stärke sein. Denn Mitarbeitende brauchen Führungskräfte, die Verantwortung nicht nur dann übernehmen, wenn alles gut läuft.

Allerdings solltest du darauf achten, nicht automatisch für jedes Problem in deinem Team selbst verantwortlich zu sein. Vielleicht kommt ein Mitarbeiter mit einer schwierigen Aufgabe zu dir. Du möchtest helfen. Also übernimmst du kurzerhand einen Teil seiner Arbeit. Am nächsten Tag passiert etwas Ähnliches. Und irgendwann stellst du fest, dass du nicht nur deine eigenen Aufgaben erledigst, sondern auch zahlreiche Aufgaben deiner Mitarbeitenden. Dabei wolltest du doch einfach nur unterstützen.

Gerade als Führungskraft mit Verantwortungsgefühl kann es deshalb wichtig sein, Verantwortung bewusst zu verteilen. Du musst nicht jedes Problem selbst lösen.

Manchmal ist es die bessere Unterstützung, deinen Mitarbeitenden zuzutrauen, eigene Lösungen zu entwickeln. Und ihnen dabei den Rücken zu stärken.


Mitarbeitende mit diesem Talent führen

Wenn du eine Mitarbeiterin mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl hast, kannst du häufig auf eine besonders verlässliche Zusammenarbeit zählen. Vielleicht übernimmt sie Aufgaben gewissenhaft und hält ihre Zusagen konsequent ein. Oder sie spricht Schwierigkeiten frühzeitig an, weil sie möchte, dass vereinbarte Ergebnisse erreicht werden. Das kann für dich als Führungskraft unglaublich angenehm sein. Du weißt, dass du dich auf sie verlassen kannst.

Allerdings solltest du genau deshalb aufmerksam bleiben. Denn Menschen mit Verantwortungsgefühl übernehmen manchmal mehr, als langfristig gut für sie ist. Vielleicht sagt deine Mitarbeiterin immer Ja, wenn du sie um Unterstützung bittest. Auch dann, wenn sie bereits sehr viel zu tun hat.

Und weil sie ihre Aufgaben zuverlässig erledigt, fällt dir möglicherweise gar nicht auf, wie hoch ihre Belastung inzwischen ist. Deshalb lohnt es sich, regelmäßig über Prioritäten und Kapazitäten zu sprechen. Nicht nur darüber, was erledigt werden muss. Sondern auch darüber, was realistisch möglich ist.

Und wenn deine Mitarbeiterin eine Aufgabe nicht übernehmen kann, solltest du ihr deutlich machen, dass ein begründetes Nein kein Zeichen mangelnder Zuverlässigkeit ist. Im Gegenteil. Manchmal zeigt sich Verantwortungsbewusstsein gerade darin, die eigenen Grenzen rechtzeitig zu erkennen.


Zusammenarbeit im Team

Stell dir vor, ein Team bereitet eine große Kundenveranstaltung vor. Die Aufgaben sind verteilt. Eine Kollegin kümmert sich um die Einladungen. Ein Mitarbeiter organisiert die Technik. Und jemand mit Verantwortungsgefühl übernimmt die Abstimmung mit den externen Dienstleistern. Zunächst läuft alles hervorragend.

Doch kurz vor der Veranstaltung meldet sich ein Dienstleister und erklärt, dass eine wichtige Lieferung nicht rechtzeitig eintreffen wird. Die Person mit Verantwortungsgefühl reagiert sofort. Sie telefoniert, sucht Alternativen und informiert die Beteiligten. Schließlich hatte sie zugesagt, sich um die Organisation zu kümmern.

Das Team ist froh, dass sie so engagiert handelt. Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit. Vielleicht versucht sie, das Problem zunächst ganz allein zu lösen. Sie möchte schließlich niemanden enttäuschen.

Dabei könnte das Team gemeinsam viel schneller eine gute Lösung finden. Genau hier wird deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel unterschiedlicher Talente ist. Menschen mit Verantwortungsgefühl bringen häufig eine hohe Verbindlichkeit mit.

Andere Talente können dabei helfen, neue Möglichkeiten zu erkennen, Aufgaben flexibel zu verteilen oder Unterstützung zu organisieren. Gute Zusammenarbeit bedeutet deshalb nicht, dass jeder alles allein schaffen muss. Sondern dass Verantwortung gemeinsam getragen werden kann.


Kommunikation

Menschen mit Verantwortungsgefühl legen häufig großen Wert auf verbindliche Kommunikation. Wenn etwas vereinbart wurde, möchten sie wissen, dass sich alle Beteiligten daran halten.

Vielleicht kennst du diese Situation: In einer Besprechung wird beschlossen, dass ein Kollege bis Donnerstag eine wichtige Information liefert. Am Freitag ist noch nichts angekommen.

Du fragst nach. Und bekommst die Antwort: „Ach, das habe ich ganz vergessen.“ Für dich ist das möglicherweise schwer nachvollziehbar.

Denn wenn du selbst etwas zusagst, hat diese Vereinbarung für dich eine besondere Bedeutung. Vielleicht ärgerst du dich deshalb stärker als andere über nicht eingehaltene Zusagen.

Dabei kann es hilfreich sein, zunächst nach den Gründen zu fragen. Vielleicht gab es unerwartete Schwierigkeiten. Oder die Prioritäten haben sich verändert. Wichtig ist, dass darüber gesprochen wird.

Wenn du selbst Verantwortungsgefühl mitbringst, solltest du außerdem darauf achten, deine Zusagen möglichst realistisch zu formulieren. Statt vorschnell zu sagen: „Klar, das mache ich.“ könntest du zunächst antworten: „Ich schaue mir meine aktuellen Aufgaben an und sage dir dann, wann ich das übernehmen kann.“ Das klingt vielleicht weniger spontan.

Aber es hilft dir, Verbindlichkeit und realistische Planung miteinander zu verbinden.


Typische Missverständnisse

„Du kannst einfach nicht Nein sagen.“

Menschen mit Verantwortungsgefühl nehmen Zusagen häufig besonders ernst. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie grundsätzlich keine Grenzen setzen können. Vielleicht haben sie lediglich ein starkes Bedürfnis, andere nicht zu enttäuschen.


„Du möchtest alles kontrollieren.“

Wenn jemand seine Aufgaben gewissenhaft erledigt, kann das manchmal wie ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis wirken. Dabei geht es möglicherweise vor allem darum, die eigene Verantwortung zuverlässig wahrzunehmen.


„Du machst dir viel zu viele Gedanken.“

Menschen mit Verantwortungsgefühl beschäftigen sich häufig intensiv mit ihren Verpflichtungen. Das kann von außen übertrieben wirken. Für sie ist es jedoch möglicherweise Ausdruck ihrer persönlichen Verbindlichkeit.


„Du bist immer für alles verantwortlich.“

Auch Menschen mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl haben Grenzen. Und sie müssen nicht automatisch jede Aufgabe übernehmen, nur weil sie besonders zuverlässig sind.


Stressauslöser

Menschen mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl können besonders unter Druck geraten, wenn sie ihre Zusagen nicht einhalten können oder das Gefühl haben, andere zu enttäuschen.

Mögliche Stressauslöser sind:

  • Zu viele gleichzeitig übernommene Verpflichtungen
  • Nicht eingehaltene Zusagen anderer
  • Unklare Zuständigkeiten
  • Aufgaben, die nicht realistisch zu bewältigen sind
  • Fehlende Unterstützung bei wichtigen Verpflichtungen
  • Situationen, in denen sie andere enttäuschen müssen
  • Das Gefühl, für Fehler verantwortlich gemacht zu werden, die sie nicht beeinflussen konnten
  • Ein Arbeitsumfeld, in dem Vereinbarungen wenig Bedeutung haben

Besonders belastend kann es sein, wenn jemand immer wieder zusätzliche Verantwortung übernimmt, ohne die eigenen Grenzen ausreichend zu berücksichtigen. Denn Menschen mit Verantwortungsgefühl möchten häufig niemanden im Stich lassen. Aber auch sie brauchen Unterstützung. Und manchmal die Erlaubnis, nicht für alles zuständig zu sein.


So führst du jemanden mit diesem Talent

Wenn du jemanden mit Verantwortungsgefühl führst, solltest du klare Vereinbarungen treffen und Zuständigkeiten eindeutig festlegen.

Besprecht gemeinsam, welche Aufgaben übernommen werden und welche Ergebnisse erwartet werden.

Achte darauf, dass die Arbeitsbelastung realistisch bleibt. Vielleicht ist dein Mitarbeiter besonders zuverlässig und übernimmt gerne Verantwortung. Dann solltest du ihn nicht automatisch mit immer neuen Aufgaben betrauen. Denn Verlässlichkeit darf nicht dazu führen, dass jemand dauerhaft mehr leisten muss als andere.

Wenn Schwierigkeiten auftreten, unterstütze deinen Mitarbeiter dabei, frühzeitig darüber zu sprechen.

Mache deutlich, dass es kein persönliches Versagen ist, wenn sich Rahmenbedingungen verändern oder eine Aufgabe nicht wie geplant erledigt werden kann. Und ermutige ihn, Verantwortung auch einmal bewusst abzugeben. Denn gute Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass jeder seine Aufgaben um jeden Preis allein bewältigen muss.


Reflexionsübung

Übung: Wofür bist du wirklich verantwortlich?

Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe fünf Aufgaben oder Verpflichtungen auf, für die du dich aktuell verantwortlich fühlst. Das können berufliche Aufgaben sein. Vielleicht aber auch private Verpflichtungen oder Dinge, die du freiwillig übernommen hast.

Überlege anschließend:

1. Welche dieser Aufgaben gehören tatsächlich zu meiner Verantwortung?

Was habe ich verbindlich zugesagt?

2. Welche Aufgaben habe ich übernommen, obwohl sie eigentlich jemand anderem gehören?

Vielleicht wolltest du helfen oder niemanden enttäuschen.

3. Wo wäre Unterstützung sinnvoll?

Welche Aufgaben könntest du gemeinsam mit anderen erledigen?

4. Welche Zusagen müsste ich möglicherweise neu vereinbaren?

Vielleicht haben sich die Rahmenbedingungen verändert.

5. Was könnte ich künftig anders machen?

Vielleicht möchtest du dir vor einer neuen Zusage etwas mehr Zeit nehmen. Oder du möchtest bewusster prüfen, ob du eine Aufgabe tatsächlich übernehmen kannst.

Die Idee hinter dieser Übung ist nicht, weniger zuverlässig zu werden. Sondern deine Verlässlichkeit so einzusetzen, dass sie langfristig eine Stärke bleibt.


Praxisbeispiel

Stell dir vor, eine erfahrene Projektleiterin arbeitet in einem Unternehmen, das mehrere große Kundenprojekte gleichzeitig betreut. Sie ist fachlich hervorragend und bei ihren Kollegen sehr geschätzt. Wenn sie eine Aufgabe übernimmt, kann man sich auf sie verlassen. Deshalb wird sie immer wieder gebeten, zusätzliche Projekte zu unterstützen.

Zunächst macht ihr das sogar Freude. Sie möchte helfen und fühlt sich verantwortlich.

Doch mit der Zeit wird ihre Arbeitsbelastung immer größer. Sie arbeitet abends, beantwortet E-Mails am Wochenende und übernimmt regelmäßig Aufgaben, die eigentlich anderen Kollegen gehören.

Ihre Führungskraft merkt zunächst wenig davon. Schließlich funktioniert alles. Bis die Projektleiterin irgendwann feststellt, dass sie kaum noch Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben hat.

In einem Gespräch wird deutlich, dass sie sehr viele Verpflichtungen übernommen hat, weil sie niemanden enttäuschen wollte.

Gemeinsam überprüfen sie ihre Aufgaben. Einige werden neu verteilt. Andere werden zeitlich verschoben.

Und bei neuen Anfragen soll künftig zunächst geklärt werden, ob ausreichend Kapazitäten vorhanden sind.

Die Projektleiterin bleibt eine ausgesprochen zuverlässige Mitarbeiterin. Aber sie lernt, Verantwortung bewusster zu übernehmen. Denn ihre Stärke besteht nicht darin, möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu tragen. Sondern darin, Zusagen ernst zu nehmen und verantwortungsbewusst damit umzugehen.


Woran erkennst du dieses Talent in den ersten fünf Minuten eines Gesprächs?

Vielleicht fällt dir auf, dass dein Gegenüber besonders häufig über Zusagen, Verpflichtungen und persönliche Verantwortung spricht. Oder jemand erzählt von einer Situation, in der er eine Aufgabe trotz Schwierigkeiten zuverlässig zu Ende gebracht hat.

Typische Aussagen könnten sein:

  • „Wenn ich etwas verspreche, halte ich mich daran.“
  • „Ich möchte niemanden hängen lassen.“
  • „Darum habe ich mich persönlich gekümmert.“
  • „Ich habe zugesagt, also mache ich das auch.“
  • „Mir ist wichtig, dass man sich auf mich verlassen kann.“

Vielleicht bemerkst du auch, dass jemand sich sehr ernsthaft mit übernommenen Aufgaben beschäftigt.

Aber Vorsicht. Nicht jeder zuverlässige Mensch hat automatisch Verantwortungsgefühl unter seinen stärksten Gallup-Talenten. Vielleicht hat die Person gelernt, besonders gewissenhaft zu arbeiten.

Oder ihre berufliche Rolle verlangt eine hohe Verbindlichkeit. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuhören.

Besonders interessant ist häufig, welche persönliche Bedeutung Zusagen für jemanden haben und wie er damit umgeht, wenn er eine Verpflichtung nicht einhalten kann. Solche Beobachtungen können Hinweise geben, ersetzen aber keine fundierte Talentanalyse.


Achtung, Verwechslungsgefahr!

Verantwortungsgefühl (Responsibility) oder Disziplin (Discipline)?

Beide Talente können sich darin zeigen, dass Menschen zuverlässig arbeiten und Aufgaben gewissenhaft erledigen. Aber die dahinterliegenden Beweggründe können unterschiedlich sein.

Menschen mit Verantwortungsgefühl nehmen persönliche Zusagen besonders ernst. Sie möchten das einhalten, was sie versprochen haben.

Menschen mit Disziplin schätzen dagegen häufig klare Strukturen, Routinen und verlässliche Abläufe. Sie möchten ihre Aufgaben gut organisieren.

Ein Beispiel: Zwei Kollegen bereiten gemeinsam eine wichtige Kundenpräsentation vor. Die Mitarbeiterin mit Verantwortungsgefühl sagt: „Ich habe zugesagt, dass die Präsentation am Donnerstag fertig ist. Darauf soll sich unser Kunde verlassen können.“ Der Kollege mit Disziplin sagt: „Lass uns die einzelnen Arbeitsschritte festlegen, damit wir die Präsentation rechtzeitig fertigstellen.“

Beide können sehr zuverlässig arbeiten. Aber möglicherweise aus unterschiedlichen Gründen.

Merksatz: Verantwortungsgefühl möchte Zusagen einhalten. Disziplin schafft die Struktur, damit Aufgaben verlässlich erledigt werden können. Natürlich können beide Talente auch bei derselben Person stark ausgeprägt sein. Dann können sich persönliche Verbindlichkeit und eine strukturierte Arbeitsweise besonders gut ergänzen.


Besonders wirkungsvoll im Zusammenspiel mit ...

Wie bei allen Gallup-Talenten wird es besonders spannend, wenn wir betrachten, wie Verantwortungsgefühl mit anderen Talenten zusammenspielt.

  • Verantwortungsgefühl + Überzeugung (Belief): Du möchtest deine Zusagen einhalten und gleichzeitig im Einklang mit deinen persönlichen Werten handeln.
  • Verantwortungsgefühl + Fokus (Focus): Du nimmst Verpflichtungen ernst und kannst deine Aufmerksamkeit konsequent auf die vereinbarten Ziele richten.
  • Verantwortungsgefühl + Einzelwahrnehmung (Individualization): Du möchtest deinen Zusagen gerecht werden und kannst dabei berücksichtigen, welche individuellen Bedürfnisse und Erwartungen unterschiedliche Menschen haben.
  • Verantwortungsgefühl + Wiederherstellung (Restorative): Du übernimmst Verantwortung und hast Freude daran, Probleme zu erkennen und Lösungen zu entwickeln.
  • Verantwortungsgefühl + Harmoniestreben (Harmony): Du nimmst Vereinbarungen ernst und möchtest gleichzeitig zu einer konstruktiven, möglichst konfliktarmen Zusammenarbeit beitragen.

Natürlich sind diese Beispiele keine festen Persönlichkeitstypen. Wie sich die Kombinationen tatsächlich zeigen, hängt immer vom gesamten Talentprofil, den Erfahrungen und der jeweiligen Situation ab.


Leadership-Merksatz

„Deine Superkraft liegt darin, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen durch Verlässlichkeit zu schaffen. Gute Führung bedeutet, zu deinen Zusagen zu stehen und gleichzeitig zu wissen, welche Verantwortung du tragen solltest und welche du anderen zutrauen darfst.“

Porträt von Sandra Turner

Sandra Turner

Über die Autorin

Sandra Turner ist zertifizierte Gallup-Stärkencoachin, Leadership- und Teamcoach, Trainerin und Wirtschaftsmediatorin.

Sie begleitet Menschen dabei, ihre Talente zu entdecken, ihre persönliche Kombination zu verstehen und daraus echte Stärken zu entwickeln.