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#09 Wiederherstellung (Restorative)

Du bringst Dinge wieder zum Laufen.

Du findest Lösungen, wo andere nur Probleme sehen

Wiederherstellung (Restorative), Domäne: Durchführung (Executing)

Montagmorgen, neun Uhr. Du kommst ins Büro, holst dir einen Tee und öffnest deinen Laptop. Da steht deine Kollegin plötzlich in der Tür. „Wir haben ein Problem.“ Der Kunde ist unzufrieden. Eine wichtige Lieferung ist schiefgelaufen und niemand weiß so richtig, wie es dazu kommen konnte.

Während deine Kollegin noch überlegt, wen sie informieren muss, bist du gedanklich schon mitten in der Sache.

  • Was genau ist passiert?
  • Seit wann besteht das Problem?
  • Welche Informationen fehlen?
  • Und wie bekommen wir das wieder hin?

Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Du hörst von einer Schwierigkeit und möchtest sofort verstehen, was dahintersteckt. Nicht unbedingt, weil du Probleme besonders magst, sondern weil es dich reizt, sie zu lösen.

Wenn Wiederherstellung (Restorative) zu deinen stärksten Gallup-Talenten gehört, kommt dir diese Denkweise wahrscheinlich bekannt vor.

Menschen mit diesem Talent haben häufig ein besonderes Gespür dafür, wenn etwas nicht richtig funktioniert. Sie erkennen Schwachstellen, beschäftigen sich mit Ursachen und haben Freude daran, Lösungen zu entwickeln. Dabei geht es nicht immer um große Krisen. Vielleicht fällt dir auf, dass ein Arbeitsablauf unnötig kompliziert ist. Oder du erkennst, warum eine Zusammenarbeit nicht so gut funktioniert, wie sie könnte.

Manchmal sind es auch ganz praktische Dinge. Ein Computerprogramm funktioniert nicht. Eine Maschine macht ungewöhnliche Geräusche. Oder ein Projekt gerät ins Stocken. Während andere sich darüber ärgern, möchtest du herausfinden, woran es liegt. Und das Beste daran? Wenn du das Problem gelöst hast, bist du möglicherweise richtig zufrieden.


Das zeichnet sich aus

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die bei Schwierigkeiten nicht lange überlegen, ob sie sich damit beschäftigen möchten. Du wirst einfach neugierig. Du möchtest verstehen, warum etwas nicht funktioniert.

Und du gibst häufig nicht so schnell auf, wenn die erste Lösung nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Vielleicht analysierst du eine Situation, probierst unterschiedliche Möglichkeiten aus und arbeitest dich Schritt für Schritt an die Ursache heran.

Manchmal bemerkst du Probleme sogar, bevor andere sie überhaupt wahrnehmen. Du erkennst, dass ein Prozess nicht richtig läuft. Oder dass sich ein kleines Missverständnis zu einem größeren Konflikt entwickeln könnte.

Vielleicht bist du auch die Person, die Freunde und Kollegen um Rat fragen, wenn etwas nicht funktioniert. „Kannst du dir das mal anschauen?“ Und du antwortest: „Klar. Zeig mal.“

Was andere möglicherweise als lästige Unterbrechung empfinden, kann für dich eine interessante Herausforderung sein. Besonders dann, wenn du selbst herausfinden kannst, woran es liegt.

Dabei bedeutet Wiederherstellung nicht automatisch, dass du in jedem Bereich besonders gut Probleme lösen kannst. Vielleicht interessieren dich technische Herausforderungen. Vielleicht beschäftigst du dich lieber mit organisatorischen Schwierigkeiten. Oder du hast Freude daran, zwischenmenschliche Probleme zu verstehen.

Entscheidend ist die natürliche Neigung, sich mit dem auseinanderzusetzen, was nicht funktioniert, und es verbessern zu wollen.


Die Superkraft

Du erkennst, was nicht funktioniert, findest mögliche Ursachen und hilfst dabei, Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Stell dir vor, ein Unternehmen erhält seit einigen Wochen immer mehr Kundenbeschwerden. Die Mitarbeitenden sind frustriert. Der Vertrieb macht die Logistik verantwortlich. Die Logistik verweist auf die IT. Und die IT erklärt, dass das Problem wahrscheinlich bei den unvollständigen Bestellungen liegt. Jede Abteilung hat eine Erklärung. Aber niemand hat bisher wirklich herausgefunden, was passiert.

Dann übernimmt eine Mitarbeiterin mit ausgeprägter Wiederherstellung die Analyse. Sie spricht mit den Beteiligten, überprüft die Abläufe und verfolgt einige Beschwerden Schritt für Schritt zurück.

Dabei stellt sie fest, dass bestimmte Informationen bei der Übertragung zwischen zwei Systemen verloren gehen. Das Problem wird behoben.

Und plötzlich funktioniert die Zusammenarbeit wieder deutlich besser. Die Mitarbeiterin ist zufrieden. Nicht unbedingt, weil sie dafür besonders viel Anerkennung bekommt, sondern weil sie das Problem verstanden und eine Lösung gefunden hat. Genau darin kann die besondere Stärke von Wiederherstellung liegen.

Menschen mit diesem Talent bringen häufig die Bereitschaft mit, sich auch mit unangenehmen oder komplizierten Situationen auseinanderzusetzen. Sie schauen genauer hin, wenn etwas nicht funktioniert. Und sie haben Freude daran, Verbesserungen möglich zu machen.


Typische Stärken

Menschen mit ausgeprägter Wiederherstellung können häufig besonders gut:

  • Probleme und Schwachstellen erkennen
  • Ursachen systematisch untersuchen
  • Sich auch mit schwierigen Situationen beschäftigen
  • Praktische Lösungen entwickeln
  • Fehler analysieren und beheben
  • Bestehende Abläufe verbessern
  • Bei Problemen hartnäckig bleiben
  • Aus Schwierigkeiten lernen
  • Andere bei der Bewältigung von Herausforderungen unterstützen

Besonders wertvoll ist dieses Talent in Situationen, in denen schnelle Schuldzuweisungen wenig helfen.

Denn wenn etwas schiefgeht, ist es häufig sinnvoller, zunächst die Ursachen zu verstehen. Was genau ist passiert? Welche Faktoren haben dazu beigetragen? Und was können wir verändern, damit das Problem nicht erneut auftritt? Menschen mit Wiederherstellung können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Sie beschäftigen sich häufig lieber mit Lösungen als mit der Frage, wer an einer schwierigen Situation schuld ist.


Mögliche Schattenseiten

Stell dir vor, du sitzt mit deinem Team in einer Besprechung. Eine Kollegin stellt ein neues Konzept vor. Sie ist begeistert und freut sich auf die Rückmeldungen. Du hörst aufmerksam zu.

Und nach wenigen Minuten fallen dir bereits drei Dinge auf, die möglicherweise nicht funktionieren werden. Also meldest du dich. „Ich sehe da ein Problem.“

Du erklärst, welche Schwierigkeiten auftreten könnten und was aus deiner Sicht verbessert werden müsste. Für dich ist das ein konstruktiver Beitrag. Schließlich möchtest du helfen, das Konzept besser zu machen.

Deine Kollegin schaut allerdings etwas enttäuscht. Denn sie hatte gehofft, dass zunächst einmal jemand sieht, wie viel Arbeit und gute Ideen bereits darinstecken. Vielleicht kennst du solche Situationen. Menschen mit Wiederherstellung erkennen häufig besonders schnell, was noch nicht funktioniert.

Dabei kann es passieren, dass sie die Dinge, die bereits gut laufen, weniger bewusst wahrnehmen. Nicht, weil sie grundsätzlich negativ denken. Sondern weil ihre Aufmerksamkeit ganz natürlich auf Verbesserungsmöglichkeiten gerichtet ist.

Die mögliche Schattenseite liegt deshalb darin, zu stark auf Probleme und Fehler zu schauen. Vielleicht fällt es dir schwer, etwas einfach einmal gut sein zu lassen. Oder du möchtest sofort eine Lösung finden, obwohl dein Gegenüber zunächst nur erzählen möchte, was passiert ist.

Manchmal kann es auch passieren, dass du dich für Probleme verantwortlich fühlst, die gar nicht deine Aufgabe sind. Deshalb lohnt es sich, gelegentlich innezuhalten.

Nicht jedes Problem muss sofort gelöst werden. Und nicht jede Situation braucht deine Unterstützung. Eine wichtige Entwicklungsaufgabe kann darin bestehen, bewusst wahrzunehmen, was bereits gut funktioniert. Denn deine Fähigkeit, Probleme zu lösen, wird nicht kleiner, wenn du gleichzeitig Erfolge und Stärken erkennst. Im Gegenteil. Du bekommst dadurch ein vollständigeres Bild.


Führung mit diesem Talent

Als Führungskraft mit Wiederherstellung kannst du besonders gut darin sein, Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und konstruktiv anzugehen.

Du möchtest verstehen, warum etwas nicht funktioniert. Vielleicht fällt dir auf, dass ein Team regelmäßig dieselben Fehler macht. Oder dass bestimmte Abläufe unnötig kompliziert sind.

Statt dich damit abzufinden, möchtest du die Ursachen untersuchen. Das kann für dein Team ausgesprochen wertvoll sein. Denn gute Führung bedeutet auch, Hindernisse zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Allerdings solltest du darauf achten, dass deine Mitarbeitenden nicht das Gefühl bekommen, du würdest ständig nach Fehlern suchen. Stell dir vor, dein Team hat ein anspruchsvolles Projekt erfolgreich abgeschlossen.

Die Mitarbeitenden sind stolz auf das Ergebnis. Du schaust dir den Projektbericht an und erkennst sofort mehrere Punkte, die beim nächsten Mal verbessert werden könnten. Natürlich möchtest du darüber sprechen. Aber vielleicht ist jetzt zunächst der richtige Moment, den Erfolg zu würdigen. Denn deine Mitarbeitenden brauchen nicht nur Hinweise darauf, was sie verbessern können. Sie möchten auch wissen, was ihnen bereits gut gelungen ist.

Gerade als Führungskraft mit Wiederherstellung kann es deshalb hilfreich sein, bewusst zwischen Anerkennung und Verbesserung zu unterscheiden. Zuerst würdigen, was gelungen ist. Und anschließend gemeinsam überlegen, was beim nächsten Mal noch besser funktionieren könnte.


Mitarbeitende mit diesem Talent führen

Wenn du einen Mitarbeiter mit ausgeprägter Wiederherstellung hast, kannst du davon profitieren, dass er häufig gerne schwierige Aufgaben übernimmt.

Vielleicht interessiert er sich besonders für Projekte, bei denen bestehende Probleme gelöst werden müssen.

Oder er erkennt Schwachstellen in Arbeitsabläufen, die anderen bisher nicht aufgefallen sind. Das kann für dein Team eine große Bereicherung sein.

Vielleicht möchtest du einen Prozess verbessern, der seit Jahren nicht richtig funktioniert. Oder du suchst nach einer Lösung für ein wiederkehrendes Kundenproblem.

Menschen mit Wiederherstellung können hier wertvolle Beiträge leisten. Wichtig ist allerdings, dass du sie nicht ausschließlich dann einsetzt, wenn etwas schiefgelaufen ist. Denn auch Menschen mit diesem Talent möchten sich weiterentwickeln, neue Aufgaben übernehmen und Erfolge erleben.

Wenn jemand ständig nur mit Problemen beschäftigt ist, kann das auf Dauer belastend werden. Deshalb lohnt es sich, gemeinsam herauszufinden, welche Herausforderungen die Person besonders gerne bearbeitet. Und welche Aufgaben ihr außerdem Freude machen.


Zusammenarbeit im Team

Stell dir vor, ein Team hat eine neue Software eingeführt. Eigentlich sollte dadurch vieles einfacher werden. Doch nach einigen Wochen zeigt sich, dass die Mitarbeitenden mit bestimmten Funktionen Schwierigkeiten haben. Einige sind frustriert. Andere möchten am liebsten wieder mit dem alten System arbeiten. Und jemand sagt: „Das funktioniert doch sowieso nicht.“

Eine Mitarbeiterin mit Wiederherstellung möchte es genauer wissen. Sie spricht mit den Kollegen, sammelt die Probleme und untersucht, welche Ursachen dahinterstecken. Dabei stellt sie fest, dass manche Schwierigkeiten durch fehlende Schulungen entstehen. Andere hängen mit bestimmten Einstellungen zusammen. Und einige Funktionen sind tatsächlich noch nicht optimal.

Gemeinsam mit dem Team entwickelt sie Lösungen. Zusätzliche Schulungen werden organisiert. Einstellungen werden angepasst. Und die verbleibenden Probleme werden an den Anbieter weitergegeben. Nach einiger Zeit funktioniert die Software deutlich besser. In diesem Beispiel zeigt sich, wie wertvoll Wiederherstellung für ein Team sein kann.

Menschen mit diesem Talent bringen häufig die Bereitschaft mit, sich auch mit schwierigen Situationen intensiv auseinanderzusetzen. Allerdings sollten sie darauf achten, andere nicht ausschließlich auf ihre Probleme anzusprechen. Denn gute Zusammenarbeit lebt auch davon, dass Erfolge, Ideen und positive Entwicklungen wahrgenommen werden.


Kommunikation

Menschen mit Wiederherstellung sprechen häufig gerne darüber, was verbessert werden könnte. Vielleicht stellst du Fragen wie:

  • „Woran liegt das?“
  • „Was funktioniert noch nicht?“
  • „Wie können wir das lösen?“
  • „Was müssen wir verändern?“

Das kann unglaublich hilfreich sein. Besonders dann, wenn ein Team vor einer konkreten Herausforderung steht.

Allerdings kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Stell dir vor, eine Kollegin erzählt dir von einem schwierigen Kundengespräch. Sie ist enttäuscht und möchte sich einfach kurz austauschen. Du hörst zu. Und nach zwei Minuten hast du bereits mehrere Ideen, wie sie die Situation beim nächsten Mal besser lösen könnte.

Du meinst es gut. Aber vielleicht möchte deine Kollegin gerade gar keine Lösung. Vielleicht möchte sie zunächst einmal verstanden werden.

Gerade Menschen mit Wiederherstellung können davon profitieren, bewusst zwischen Zuhören und Problemlösen zu unterscheiden.

Manchmal hilft eine einfache Frage: „Möchtest du gerade, dass ich dir zuhöre, oder sollen wir gemeinsam nach einer Lösung suchen?“ Das klingt vielleicht unspektakulär. Aber es kann einen großen Unterschied machen. Denn nicht jedes Gespräch braucht sofort einen Lösungsvorschlag. Und manchmal ist es die beste Unterstützung, einem Menschen zunächst Raum zu geben.


Typische Missverständnisse

„Du siehst immer nur das Negative.“

Menschen mit Wiederherstellung erkennen häufig besonders schnell, was nicht funktioniert. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie pessimistisch sind. Vielleicht haben sie einfach Freude daran, Verbesserungsmöglichkeiten zu entdecken.


„Du kritisierst ständig.“

Wenn jemand auf Schwachstellen hinweist, kann das wie Kritik wirken. Dabei möchte die Person möglicherweise vor allem helfen, eine bessere Lösung zu finden.


„Du kannst nichts einfach so lassen, wie es ist.“

Menschen mit Wiederherstellung beschäftigen sich gerne mit Problemen. Das bedeutet nicht, dass sie grundsätzlich alles verändern möchten. Vielleicht erkennen sie lediglich schneller als andere, wo eine Verbesserung sinnvoll wäre.


„Du möchtest immer alles selbst reparieren.“

Auch Menschen mit Wiederherstellung können gut mit anderen zusammenarbeiten. Vielleicht fällt es ihnen nur manchmal schwer, eine interessante Herausforderung aus der Hand zu geben.


Stressauslöser

Menschen mit ausgeprägter Wiederherstellung können besonders unter Druck geraten, wenn Probleme ignoriert werden oder sie keine Möglichkeit haben, an Lösungen zu arbeiten.

Mögliche Stressauslöser sind:

  • Wiederkehrende Probleme, die niemand ernst nimmt
  • Fehler, deren Ursachen nicht untersucht werden
  • Arbeitsabläufe, die dauerhaft schlecht funktionieren
  • Situationen, in denen Schwierigkeiten einfach übergangen werden
  • Fehlende Möglichkeiten, Verbesserungen vorzuschlagen
  • Probleme, für die sie sich verantwortlich fühlen, obwohl sie keinen Einfluss darauf haben
  • Ständige Kritik an ihrer lösungsorientierten Haltung
  • Das Gefühl, dass wichtige Verbesserungen nicht umgesetzt werden

Besonders frustrierend kann es sein, wenn ein Problem offensichtlich ist, aber niemand bereit scheint, sich damit auseinanderzusetzen.

Denn Menschen mit Wiederherstellung möchten häufig verstehen, was nicht funktioniert, und etwas daran verändern. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht jedes Problem zur persönlichen Aufgabe zu machen. Manche Schwierigkeiten lassen sich nur gemeinsam lösen. Und andere liegen außerhalb des eigenen Einflussbereichs.


So führst du jemanden mit diesem Talent

Wenn du jemanden mit Wiederherstellung führst, solltest du ihm die Möglichkeit geben, seine Fähigkeit zur Problemlösung bewusst einzusetzen. Vielleicht gibt es in deinem Team Prozesse, die verbessert werden könnten. Oder Aufgaben, bei denen eine gründliche Ursachenanalyse hilfreich wäre.

Beziehe deinen Mitarbeiter in solche Themen ein. Gib ihm ausreichend Informationen und die Möglichkeit, unterschiedliche Lösungsansätze zu prüfen.

Wichtig ist, dass du seine Hinweise auf Probleme nicht automatisch als Kritik verstehst. Vielleicht möchte er tatsächlich nur dazu beitragen, dass etwas besser funktioniert.

Gleichzeitig solltest du ihm helfen, Prioritäten zu setzen. Denn nicht jedes Problem ist gleich wichtig. Und nicht jede Verbesserung muss sofort umgesetzt werden.

Vielleicht könnt ihr gemeinsam festlegen, welche Themen aktuell die größte Bedeutung haben. Achte außerdem darauf, dass dein Mitarbeiter nicht ausschließlich mit schwierigen Situationen beschäftigt ist.

Auch Menschen mit Wiederherstellung brauchen Erfolgserlebnisse und Aufgaben, bei denen sie ihre Fähigkeiten auf unterschiedliche Weise einsetzen können.


Reflexionsübung

Übung: Welches Problem lohnt sich wirklich?

Denke an eine Situation aus deinem beruflichen Alltag, in der etwas nicht so funktioniert, wie du es dir wünschst. Vielleicht ist es ein komplizierter Arbeitsablauf. Eine wiederkehrende Schwierigkeit im Team. Oder eine Aufgabe, die immer wieder unnötig viel Zeit kostet.

Schreibe das Problem möglichst konkret auf. Überlege anschließend:

1. Was genau funktioniert nicht?

Versuche, das Problem so sachlich wie möglich zu beschreiben

2. Was könnte die Ursache sein?

Welche Informationen fehlen dir möglicherweise noch?

3. Was funktioniert bereits gut?

Vielleicht gibt es Teile des Ablaufs, die du unbedingt beibehalten möchtest

4. Was kannst du tatsächlich beeinflussen?

Welche Veränderungen liegen in deinem Verantwortungsbereich?

5. Was wäre ein sinnvoller erster Schritt?

Vielleicht brauchst du zunächst weitere Informationen. Oder du kannst bereits eine kleine Verbesserung ausprobieren.

Die Idee hinter dieser Übung ist einfach. Du musst nicht jedes Problem sofort vollständig lösen. Manchmal reicht es, den nächsten sinnvollen Schritt zu erkennen. Und manchmal stellst du fest, dass ein Problem gar nicht so groß ist, wie es zunächst erschien.


Praxisbeispiel

Stell dir vor, eine Führungskraft übernimmt ein Team, in dem es seit einiger Zeit Schwierigkeiten gibt. Die Mitarbeitenden arbeiten engagiert. Trotzdem kommt es immer wieder zu Missverständnissen, Verzögerungen und gegenseitigen Vorwürfen. Einige Kollegen sprechen kaum noch miteinander. Andere beschweren sich regelmäßig über die Zusammenarbeit.

Die neue Führungskraft bringt ausgeprägte Wiederherstellung mit. Sie möchte verstehen, warum das Team nicht gut zusammenarbeitet. Also führt sie Gespräche mit den Mitarbeitenden. Sie hört sich unterschiedliche Perspektiven an und untersucht, an welchen Stellen die Zusammenarbeit besonders schwierig wird.

Dabei stellt sich heraus, dass Zuständigkeiten unklar sind und wichtige Informationen nicht zuverlässig weitergegeben werden. Außerdem gibt es unterschiedliche Erwartungen darüber, wie Entscheidungen getroffen werden sollen.

Die Führungskraft entwickelt gemeinsam mit dem Team neue Vereinbarungen. Zuständigkeiten werden geklärt. Regelmäßige Abstimmungen werden eingeführt. Und die Mitarbeitenden sprechen darüber, wie sie künftig mit Missverständnissen umgehen möchten.

Nach einiger Zeit verbessert sich die Zusammenarbeit. Nicht, weil plötzlich alle dieselbe Meinung haben. Sondern weil die Ursachen der Schwierigkeiten besser verstanden wurden und das Team gemeinsam daran gearbeitet hat.

Die Stärke der Wiederherstellung zeigt sich hier besonders deutlich. Die Führungskraft hat sich nicht damit zufriedengegeben, dass die Zusammenarbeit schwierig ist. Sie wollte verstehen, woran es liegt. Und sie hat geholfen, Lösungen zu entwickeln. Wichtig ist allerdings, dass sie nicht jedes zwischenmenschliche Problem allein lösen möchte. Denn gute Zusammenarbeit entsteht nur dann, wenn alle Beteiligten bereit sind, Verantwortung für ihren Beitrag zu übernehmen.


Woran erkennst du dieses Talent in den ersten fünf Minuten eines Gesprächs?

Vielleicht fällt dir auf, dass dein Gegenüber besonders aufmerksam wird, sobald ein Problem angesprochen wird. Oder jemand beginnt sofort damit, nach möglichen Ursachen zu fragen.

Typische Aussagen könnten sein:

  • „Woran liegt das?“
  • „Das bekommen wir wieder hin.“
  • „Lass uns schauen, warum das nicht funktioniert.“
  • „Ich finde solche Herausforderungen spannend.“
  • „Was haben wir bisher schon ausprobiert?“

Vielleicht erzählt jemand auch begeistert davon, wie er ein kompliziertes Problem gelöst hat. Oder du bemerkst, dass die Person besonders gerne über Verbesserungsmöglichkeiten spricht.

Aber Vorsicht. Nicht jeder Mensch, der gut Probleme lösen kann, hat automatisch Wiederherstellung unter seinen stärksten Gallup-Talenten. Vielleicht hat die Person aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung gelernt, Schwierigkeiten systematisch zu analysieren. Oder ihre Tätigkeit verlangt es, regelmäßig Probleme zu beheben.

Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuhören. Besonders interessant ist häufig, ob jemand tatsächlich Freude daran empfindet, sich mit Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Solche Beobachtungen können Hinweise geben, ersetzen aber keine fundierte Talentanalyse.


Achtung, Verwechslungsgefahr!

Wiederherstellung (Restorative) oder Analytisch (Analytical)

Beide Talente können sich darin zeigen, dass Menschen Probleme gründlich untersuchen und nach Ursachen suchen. Aber die dahinterliegenden Beweggründe können unterschiedlich sein.

Menschen mit Wiederherstellung haben häufig Freude daran, Probleme zu erkennen und zu lösen. Sie möchten verstehen, was nicht funktioniert, und es wieder in Ordnung bringen.

Menschen mit Analytisch möchten dagegen häufig Zusammenhänge verstehen und Entscheidungen auf nachvollziehbare Fakten stützen. Sie hinterfragen Annahmen und suchen nach logischen Erklärungen.

Ein Beispiel: In einem Unternehmen gehen die Verkaufszahlen plötzlich zurück. Die Mitarbeiterin mit Wiederherstellung fragt: „Was funktioniert nicht mehr und wie können wir das Problem beheben?“ Der Kollege mit Analytisch fragt: „Welche Daten haben wir und welche Faktoren erklären den Rückgang?“

Beide Perspektiven können sich hervorragend ergänzen. Die eine richtet ihre Aufmerksamkeit besonders auf die Behebung des Problems. Die andere möchte die Zusammenhänge möglichst genau verstehen.

Merksatz: Wiederherstellung möchte Probleme lösen. Analytisch möchte verstehen, warum etwas so ist, wie es ist. Natürlich können beide Talente auch bei derselben Person stark ausgeprägt sein. Dann können sich gründliche Analyse und ausgeprägte Problemlösungsfreude besonders gut ergänzen.


Besonders wirkungsvoll im Zusammenspiel mit ...

Wie bei allen Gallup-Talenten wird es besonders spannend, wenn wir betrachten, wie Wiederherstellung mit anderen Talenten zusammenspielt.

  • Wiederherstellung + Analytisch (Analytical): Du erkennst Probleme und kannst ihre Ursachen anhand von Fakten und Zusammenhängen gründlich untersuchen.
  • Wiederherstellung + Strategie (Strategic): Du beschäftigst dich gerne mit Schwierigkeiten und erkennst möglicherweise mehrere Wege, um eine passende Lösung zu finden.
  • Wiederherstellung + Entwicklung (Developer): Du möchtest Probleme lösen und kannst gleichzeitig Freude daran haben, andere Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Diese Kombination kann beispielsweise in der Führung oder im Coaching besonders interessant sein.
  • Wiederherstellung + Positive Einstellung (Positivity): Du erkennst, was verbessert werden muss, und kannst gleichzeitig Zuversicht vermitteln, dass eine Lösung möglich ist.
  • Wiederherstellung + Einzelwahrnehmung (Individualization): Du möchtest Schwierigkeiten verstehen und kannst dabei berücksichtigen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Lösungswege haben.

Natürlich sind diese Beispiele keine festen Persönlichkeitstypen. Wie sich die Kombinationen tatsächlich zeigen, hängt immer vom gesamten Talentprofil, den Erfahrungen und der jeweiligen Situation ab.


Leadership-Merksatz

„Deine Superkraft liegt darin, Probleme zu erkennen und Lösungen möglich zu machen. Gute Führung bedeutet, Schwierigkeiten nicht zu übersehen und gleichzeitig wahrzunehmen, was bereits gut funktioniert.“

Porträt von Sandra Turner

Sandra Turner

Über die Autorin

Sandra Turner ist zertifizierte Gallup-Stärkencoachin, Leadership- und Teamcoach, Trainerin und Wirtschaftsmediatorin.

Sie begleitet Menschen dabei, ihre Talente zu entdecken, ihre persönliche Kombination zu verstehen und daraus echte Stärken zu entwickeln.